Zooparkstory. Tag 1 nach Karneval. Düsseldorf, my LOVE

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Tag 1 nach Karneval. (Zu Karneval sag ich nix. Es ist schlimm, alle wissen das, nur die Düsseldorfer nicht. Die Armen. Die Kölner wissen’s auch nicht, aber: Ich will ja nix sagen). Also: Düsseldorf. Tag 1: Ich lauf durch den Zoopark. Traue mich endlich wieder vor die Tür. Anderen geht es ähnlich. Einigen Anderen. Auch sie haben sich wieder vor die Türe getraut. Unverkleidet.

Für Schauspieler ist Karneval ungefähr so, wie wenn man dauerhaft am Prenzlauer Berg in Berlin wohnen muss: Man will das nicht. Man will nicht auf die Strasse gehen, und alle machen das selbe, wie man selbst. Also ich wollte das nicht. Hab da mal gewohnt, ging nicht. Für mich. Wenn alle um mich rum so verrückt/kreativ/selfmade sind wie ich, werde ich noch zwanghaft/spießig/unsichtbarer als ich eh schon bin. (Passiert übrigens vielen dort, das mit der Spießigkeit).

Ne, da wohne ich lieber hier, in Düsseldorf. Herrlich! Hier is garantiert KEINER wie ich. KEI-NE auch nicht. Hier haben alle geregelte Berufe, festes Einkommen, hochwertiges technisches Equipment, Einbauküche, demnächst Wohneigentum, Ugg* boots, Pelzkragen an Daunenjacke von Montclair*, blondierte Strähnchen, gezupfte Augenbrauen, diese Dinge. Hier ist die Welt von einem angenehm-scheintoten Grauen umflort. Hier fühle ich mich lebendig!

Ausser an Karneval. Da gerät mein Lebenskonzept hier total in Schieflage. Da muss ich FLIEHEN.

Aber jetzt ist ja alles wieder gut. Die Sonne scheint nicht mehr mit grausamer Helligkeit auf grellbunte und schreiend häßliche Ganzkörper-Bärchensaufanzüge, der Verkehr überfüllt wie immer stinkend und lärmend die Innenstadt, alle Strassensperren abgebaut, die letzten Kamellen weggefegt, jetzt wird es wieder ernst und bieder. Wie wunderbar!

So. Da dieser Artikel zum Zeitpunkt der Erzählung noch unveröffentlicht war, traute ich mich damals (gestern) auch noch auf die Strassen (von Düsseldorf) und komme deshalb endlich zum KERN dieser von Thomas Bernhard, dem professionellen Städtehasser, inspirierten Etüde:

Mitten im karnevalsbefreiten Zoopark nämlich, brüllte ein kleines Mädchen. Ein Düsseldorfer Mädchen. Unschwer zu erkennen an seinem Montclair*-Echtpelzkragen. Zwei erwachsene Düsseldorfer, vermutlich seine Eltern, umschwänzelten es.

„Ach, mein Schätzchen, was WILLST du denn“?

Schätzchen brüllt weiter, schlägt um sich, beißt Mutter/weibliche Erziehungsberechtigte in Hand.

„Schatz“!

Papa/männlicher Erziehungsberechtigter: „Jetzt sag aber mal Entschuldigung“.

Schatz: „Du bist ein Kaka-Papa“.

Kaka-papa:“Haha, also hör mal, Schätzchen, äh…“.

Wumms. Faust von Schätzchen trifft Kaka-Papa ins Gesicht.

Sie haben sich dann davon geschlichen. Die geprügelten Eltern. Montclair*-Kapuzen tief in die Gesichter gezogen. Wobei ich fairer Weise jetzt zugeben muss, dass diese Szene auch in Frankfurt spielen könnte. Frankfurt am Main. Da tragen sie auch Montclair*-Jacken. Sogar in München manchmal. In Berlin eher finnkid* und so ökologisch korrektere Marken. Pädagogisch nimmt sich das eh‘ nicht viel.

Auf jeden Fall freut man sich schon auf diese Generation. Neuer Frauen. Mit denen wird sicher alles besser. Haha!

Oh Gott, bin ich fies drauf heute. Das kommt davon. Vom Karneval. Das ist diese Detox-Wirkung von dem. Die funktioniert einfach super. Sogar bei Karnevalsverweigerinnen, wie mir. Durch das verordnete Lustigsein, schwillt die Wut. Und muss raus. Tata, tata, tata!

Alles wird gut. Es ist ja vorbei, jetzt. Ich hab Euch lieb, Leute! Eure Mary Reili

P.S. Falls die Marken Montclair* oder finnkid* sich irgendwie für die lobende Erwähnung auf diesem persönlichen BLOG bedanken wollen: GERNE! Auch der Rheinische Karneval darf mir ein Paar Kamellen rüber schmeissen. Eß ich!

 

 

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