Warum ich ein Flower-Power Junkie bin.

Dieses wunderschöne, expressive Kleid hat mir meine Freundin Marianna Deri geschenkt. Ich bin ein Glückspilz! Und sie ist eine tolle Designerin…

Ich hab mir Blümchen gekauft. (Ich kauf die selbst, brauch ich keinen Mann dazu) Natürlich weil es möglich ist. In NRW hatten die Blumenläden durchgehend geöffnet. Seitdem bin ich Junkie. In Berlin waren es die Buchläden, die in Betrieb geblieben sind. Ich stelle mir gerne vor, wie sie das im Kanzleramt ausgezockt haben. Die Minister und die Kanzlerin. „Gib NRW Blümchen, die Rheinländische Frohnatur braucht Farbe und intensiven Austausch mit dem Florist. Dann halten sie länger durch.“ „Die Berliner lassen sich nicht mit Tulpen ablenken, die wollen harte Drogen.“ „Gib ihnen ein Buch.“ Wetten, so lief das Gespräch?

Naja. Scherz beiseite. Wie geht es euch? Mir so lala. Ich beobachte mich. Interessiert. Alles beobachte ich. Und wenn ich keine Kinder hätte, muss ich sagen, ich hätte Spaß. Zeugin zu sein, wie eine Gesellschaft sich verändert, wie Masken fallen, wie einiges vor die Hunde geht dabei (das, was mir lieb und teuer ist) wie andere reich werden. Gleichzeitig. Leider habe ich keine Zeit, das Spektakel zu geniessen. Ich HABE Kinder und was man denen (nicht nur meinen, ALLEN Kindern) abverlangt, bringt mich um den Schlaf.

Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich habe interessante Alpträume: Heute Nacht zum Beispiel hab ich mich im Schulgebäude rum getrieben. Es war die Schule meines kleinen Sohns. Ich wollte Freunde besuchen, die haben im Traum da drin gewohnt, aber das Gebäude war hermetisch abgeriegelt (Corona halt) und mit Lichtschranken gesichert. Ich hab eine übersehen, Alarm ausgelöst und dann ging eine groß angelegte Suche nach dem Einbrecher los. Der ich ja war. Hab ich aber im Traum nicht gesagt. Ich hab die Suche organisiert. (Zusammen mit der Schulleiterin). Ich habe Pläne des Schulgebäudes gezeichnet (auf eine Wand aus Glas, so Tatortstyle) Suchtrupps zusammen gestellt, ich war wahnsinnig engagiert auf der Suche nach mir selbst während ich versuchte, heimlich doch noch bei meinen Freunden rein zu schlüpfen. Hat natürlich nicht geklappt. Die Stimmung hat sich aufgeheizt, Mordpläne wurden geschmiedet, der Einbrecher war so gut wie tot. „Wir finden ihn!“ hab ich der Masse (den anderen Eltern?!) zugeschrien. „Jaaaa!“, haben die gebrüllt. Aus solchen Träumen wache ich gerädert auf um nicht erleichtert zu erkennen, dass ich jetzt wieder im realen Alptraum bin.

Auf FB schrieb Lore Brüggemann dazu:
„Vielleicht möchte das Gehirn einen mit Albträumen einfach abhärten, so daß man nach einer Albtraumnacht froh und glücklich in den dann doch nicht ganz so schlimmen Corona-Albtraum zurückkehrt.“ Ich glaube, es ist so eine Art Trainigslager. Das Gehirn stählt mich im Schlaf, damit ich tags im Kathastrophenmodus weiter machen kann.

„Versuche das Positive dran zu sehen!“ rät ein anderer Freund. (Natürlich auf Instagram) „Nein.“, hab ich ihm geantwortet, „ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Das ist was anderes.“ Ich halte nichts davon, sich Dinge schön zu reden. Ich bin gegen Duldsamkeit. Und Selbstoptimierung. Ich lehne es ab, mich auf diese Weise freundlich lächelnd einem System anzupassen, in dem ich ausgebeutet werde.

Ich teile lieber hier mit euch, wie es mir wirklich geht. Wie anstrengend mein Coron-Alltag ist. Seit mein Kleiner keine Schule mehr hat. Und ich ihn (abwechselnd mit meinem Mann) unterrichten muss. (Unsere Schulleitung hat eigene Schutzmaßnahmen definiert. Sie drittelt die KLassen. Mein Sohn hat vier Schulstunden in der Woche. die sind nur organisatorischer Mehraufwand. Sonst nix.) Seit wir vier ununterbrochen hier in unserer Wohnung sind. Seit ich versuche, die Einsamkeit meines großen Sohnes abzufangen. Wie weh mir das tut, ihn vom Gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sehen. (Zu Beginn der Pandemie hatte man den Jungen gesagt, sie sollten aus Solidarität mit den Alten zu Hause bleiben. Weil man die nicht ausschliessen darf. Meine Kinder hat man ausgeschlossen. Tja.).

Aber ich will das Fass nicht aufmachen. Keine Meinungsschlachten hier! Dafür ist FB da. Da kann man prima mitmachen, wenn man sich ein bisschen prügeln will. (Will ich, ab und zu) Man kann ja Postings privat einstellen. Und Kommentare löschen. Auch die eigenen. Um sein Image wieder aufzumöbeln, gibt es Instagram. Da posten alle einfach weiter ihren Angebercontent, als wäre nix passiert. Guckt mal, wie (erfolg)-reich ich bin! Schaut mal, wie schön! Ich poste da jetzt Blümchen. Aus Protest. Naja. Und das wären dann auch MEINE Tipps, wie man das Beste aus der Situation raus schlagen kann: Kauft Blumen!

Teilt Blumenbilder auf Instagram! Weil es so schön und auch so sinnlos ist. (Verlinkt meine Kolumne. Dann weiss ich, dass es euch ähnlich geht. Und fühle mich weniger allein.) Und trefft eure Freundinnen auf ein Bier im Park. (Mache ich nachher.) Frauensolidarität gehört zu den ganz großen Geschenken, dieser Zeit. Die gab es zwar immer schon, denke ich, aber das gehört ja zu den Krisenzeiten, dass Dinge sichtbar werden. In diesem Sinne! Schönen Frauentag! Wie gut, dass ihr da seid. Ihr, und die anderen. (Die mit den… ihr wisst schon!) XX Mary Reili

Das Kleid vom Foto oben könnt ihr nachkaufen. Bei Marianna Deri

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