Urlaub in Deutschland


Das Urlaub in Deutschland Ding

#dasurlaubindeutschlandding

Über Urlaub zu schreiben, wenn er gerade vorüber ist, hat durchaus zwei Gesichter: Die Erinnerung daran tut gut, sie ist noch nah genug. Man riecht die Gerüche noch, das frisch gemähte Gras, den heißen Asphalt, den See, die Sonnencreme, man hört die Wellen wieder plätschern. Allerdings hat man auch die Schattenseiten noch nicht wirklich tief genug verdrängt,

wie es bei der klassischen Urlaubserinnerung im Laufe des Jahres dann passiert: Am Ende bleibt ein Bild vom Meer zurück, vom Sonnenuntergang, von griechischem Wein und warmem Sand unter den Füßen. Die ranzige Herberge, die Schlange vorm Pizzabäcker und den überfüllten Parkplatz vor dem Strand hat man dann bereits aussortiert und die Erinnerung in ein schönes Foto für das Urlaubsalbum, wahlweise auf ein paar erfolgreiche Instaposts geschrumpft.

Um also eine Unregelmäßige Kolumne über Urlaub in Deutschland zu verfassen, ist jetzt genau der richtige Moment. Alles noch ganz frisch, die Bilder noch lebendig, die guten und die schlechten Seiten noch präsent. Wobei die Guten überwiegen. Und das führt mich schon zu meiner Kernaussage:

Es geht. Man kann es ausprobieren. URLAUB IN DEUTSCHLAND.

Sollte es sogar. Es ist erholsam UND (das war meine größte Sorge) es ist sogar interessant. Es gibt was zu entdecken. Eine fremde Welt. Zum Glück.

Das ist nämlich, abgesehen von der Sonnengarantie im Süden mein Hauptmotiv um überhaupt privat zu reisen: (Wie ihr wisst, reise ich ja beruflich schon recht viel). Die fremde Welt. Die anders riecht, schmeckt, in der andere Gesetzte gelten, andere Worte gewechselt werden und so fort. In Deutschland fällt das scheinbar weg. Klar sind die Leute in der Uckermark anders drauf als in Düsseldorf, und die Mitbürger in Nordfriesland sprechen sogar eine eigene Sprache (die, hochaufwändig, sogar auf den Verkehrsschildern unter dem Hochdeutschen zu lesen ist) das war es dann scheinbar erstmal auch. In Deutschland gibt es überall die selben Supermärkte, das selbe Speiseeis, Bratwurst, Fischbrötchen, nur die Brötchen heißen lokal anders, ebenso die Pfannkuchen (alias: Berliner, Krapfen, was weiss ich).

Trotzdem kann man was dort finden. Im Heimatland. Ruhe zum Beispiel. Echte Stille. Nachts, in der Uckermark, oder an der Nordsee (das sind die beiden deutschen Orte, an denen ich geurlaubt habe) hört man nichts Menschenverursachtes. Keine Autos, keine Autobahnen, kein nächtlicher Flugverkehr oder Werkbetrieb, einfach nichts. Nur Wald und Meer und Wind und Käuzchenruf. Ehrlich gesagt, das war mir bei meinen vorherigen Urlauben weniger aufgefallen. In italienischen Bergdörfern ist es nachts alles andere als still. Erst feiern die Urlauber, dann feiern die Italiener, dass die Urlauber endlich fertig sind mit feiern, dann zirpen die Grillen und ab vier Uhr in der Frühe werden schon wieder die ersten Hotels beliefert.

Es war ein schönes Erlebnis, Nachts einfach draussen zu sitzen, vor dem Haus, ein Glas Rotwein zu trinken und die Stille auszuhalten. (Man ist sie ja nicht gewohnt, man kennt sie kaum, wenn man in der Stadt lebt, so wie ich). Ich hatte das Gefühl, als ob ich mich dabei ein bisschen vergrößert hätte. Ausgebreitet. Einfach weil mal Raum da war. Luft nach oben, links und rechts.

Selbstgeerntete Tomaten. Uckermark, 2019

Baden kann man in Deutschland natürlich auch, so lange die Sonne scheint natürlich. )Aber das mit dem Wetter, das läuft für deutsche Sommerfrischler ja inzwischen recht entspannt) Kein gutes Zeichen und im übrigen der Grund, warum ich es mal ausprobieren wollte, das URLAUBINDEUTSCHLANDDING:

Wegen der Natur. Und der Verantwortung ihr gegenüber.

An die ich glaube, weil sie logisch ist. Menschen machen Müll, sogar sehr viel davon, wir sind unglaublich viele, werden immer mehr, wir müssen unseren Lebenswandel dieser Entwicklung anpassen. Das erscheint mir eindeutig. (Und ausserdem erscheint es mir pervers, wenn die eine, die glückliche Hälfte, sich von oben Richtung Mittelmeer aufmacht um dort Urlausflirts und Aperol Spritz zu geniessen, während von der anderen Seite her, von Süd- nach Nord, Menschen vor Krieg, Armut und Terror an die selben Küsten fliehen).

Aber ich will euch nicht belehren, ich möchte nur berichten wie es war. Für alle die mit dem Gedanken spielen, es selber mal zu tun.

Es ist erschreckend unpopulär, scheinbar unglamourös und so, also an der Zeit, dass Schauspieler und Kreative es mal antesten.

Dann Gentrifiziert es sich vielleicht. So läuft es mit den angesagten Wohnvierteln, so könnte auch das mit dem Reisen fuktionieren. Schliesslich hat Reisen immer auch mit wohnen zu tun. Weil man ja am Reiseziel auch wohnen muss. Urlaub, verreisen, ist vorrübergehender Wohnortwechsel. Zwecks Erholung. Kurze Flucht in ein ideales Leben. Wo immer die Sonne scheint. Wo man nie arbeiten, früh aufstehen, usw. muss. Paradies im Diesseits eben.

Und Wohnortwechsel per Mittel-oder Langstreckenflug. Das kommt ja noch dazu. Dass man bei Urlaub in Deutschland Geld, Zeit und Energie sparen kann. OK. Klingt auch nicht sexy. Eher kleinbürgerlich. Mist. Tja. Dann lasst uns doch alle in Italien treffen. In der Schlange vor dem Pizzaladen. Oder in der Schlange vor den Uffizien. Der vor dem Mailänder Dom. Dem Eisverkäufer, dem angesagten, griechischen Restaurant, dem Parkplatz vor der „geheimen Badebucht“ und so weiter und so fort. In Lissabon soll dieses Jahr eine Instagramerin geschlagen worden sein. Von einer Lissabonner Oma, vor deren Haustüre sich ein Insta-Foto-Hotspot entwickelt hat. OK, das ist jetzt keine sehr seriöse Meldung, aber vielleicht stimmt’s. Ich kann es mir vorstellen.

Nein, nein. Wir brauchen dringend neue Bilder. Von deutschen Menschen, die in Deutschland nach Erholung suchen. Klingt fürchterlich. Ist es aber nicht. Vielleicht wird es besser, wenn wir der Sache andere Namen geben. „Sommerfrische“ zum Beispiel. Das klingt doch schön.

Naja. Ich bin ehrlich. Wie immer. Es ist eine Umstellung.

Beim Baden in Deutschland ist mir gleich am ersten Tag eine Schlange über die Hand geschwommen. Die war überraschend weich. Eine Ringelnatter, wie mir der Dorfbewohner, der über meinen Schrei gelacht hat, immerhin erklären konnte. „Ungefährlich. Dit is Natur“. „Aha“.

Tatsächlich, so einen Uckermärker See, den teilt man sich mit vielen Lebewesen: Wir haben Frösche. Molche, Libellen, Wasserschnecken, Biber, Welse, Forellen und vermutlich sogar einen Elch gesehen. Viele der Begegnungen haben uns erschreckt. Über den Wels hieß es, „er kann riesengroß werden und dann zieht er kleine Kinder auf den Grund des Sees“. Eine Nachtwanderung um den See haben wir (Meine Schwester, ich, die Kinder) aus Angst kurz hinter dem Dorfausgang abgebrochen. Angeblich gibt es Wölfe in der Uckermark. Nachts wollten wir denen plötzlich doch nicht mehr begegnen.

Aus dem Wald kamen Geräusche. Knacken und rascheln, piepsen, grunzen, keuchen – die Natur war plötzlich sehr präsent. Als Fremde. Von uns nicht gut gekannte. Gefährliche, Geheimnissvolle, Aufregende.

Irgendwie hat die in meinem Leben meistens nur so eine Hintergrundrolle gespielt, eher Deko, mehr Landschaftstapete, eine, die draussen vor dem ICE Fenster vorrüberzieht, gelb, grün, im Winter braun, schön durchaus, jaja, aber langweilig. Man braucht sie halt, schon klar, aber ehrlich gesagt, was hab ich darin zu suchen? Pilze? Beeren? Frische Luft?! Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich die Beeren wirklich würde essen wollen. Hieß es nicht immer: An Waldbeeren können Fuchsbandwürmer sein? Und Pilze sollte man doch auch nicht mehr sammeln. „Wegen Tschernobyl“.

Es war schön, ihr mal so richtig zu begegnen. Der Natur. Als Haupt-Urlaubs-Attraktion. Sie riecht gut, so viel kann ich sagen. Sie ist (ein bisschen) gefährlich und aufregend. Und man kann sich tatsächlich richtig gut in ihr erholen. Ein Tag, der damit beginnt, dass man Zimtweckchen backt, der am See vor der Haustüre an einem vorüber zieht und Abends still vor der Haustür endet, mit einem Glas Rotwein in der Hand, das ist ein guter Tag.

Auf das Reisen an sich, vor allem auch in fremde, ferne Länder, würde ich allerdings nicht verzichten wollen. Es ist zu wunderbar. Und ich bin auch ganz ehrlich: Die nächste Fernreise ist gebucht. Allerdings mit einem anderen Reiseziel: Das Thema „Erholung“ hab ich ja schon abgearbeitet (Scherz) bei meiner Fernreise kann ich mich jetzt ganz auf den Erlebnis- und Bildungsfaktor stürzen. Also in eher kurzer Zeit, sehr viel ansehen und erleben. Vielleicht mehr in dem Sinn, wie reisen früher war: Die klassische Bildungsreise.

Hm. Kann bitte jemand meine diesjährige Urlaubs CO2 Bilanz errechnen? Und den tatsächlichen Erholungsfaktor messen? Bei mir sind da noch Fragen offen. Ich sage es mal so:

Mit dem Thema bin ich noch lang‘ nicht fertig. Umstellungen brauchen Zeit. Und Luft. Um Neues auszuprobieren. Und über Deutschland gibt es natürlich noch viel mehr zu erzählen. Über die Unterschiede von Nord, West, Ost, Süd, und über das Verbindende. Das wäre eine eigene Kolume wert. Das Reisen auch. Ist alles schon in Arbeit. Und wer konkrete Reiseinfos braucht: (Restaurants, Strände, Reiserouten, Sportarten, was weiss ich) Die schreib ich gerne in die Kommentare. Hier oder auf fb. Wobei: Lieber hier. Dann bleibt es unter uns 😉

Lagerfeuer in der Uckermark. Nice.



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