Wie ich mit meinem TATORT-Auftritt eine Oma rettete. Eine Weihnachtsgeschichte.

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Meine lieben, virtuellen Freunde! Auf den letzten Drücker, wie es sich für eine UNREGELMÄßIGE KOLUMNE gehört, habe ich ein Weihnachtsposting für euch verfasst. Harmlos, lieb und lustig, wie meine Kolumnen im allgemeinen sind. Und natürlich mit Moral, wie es an Weihnachten allgemein üblich ist (vor allem in den Kirchen). Es geht darin um gute Menschen, von denen ich wieder mal einer war. Und natürlich sind die Guten am Ende auch die Dummen. Also ich. Aber wer macht auch so was:

Ich fuhr am Freitag, den 21.12. in die Stadt. Zum einkaufen. Ging nicht anders. Einkaufs-technisch liegen die Feiertage anstrengend dieses Jahr, weil es so viele sind. Und man nicht nur für die ganzen Weihnachtstage, sondern zusätzlich für das unmittelbar davor liegende Wochenende einzukaufen hat.

Natürlich war ich nicht alleine dort. ALLE machten heute ihren Großeinkauf. Zuerst brauchten wir einen Parkplatz. Alle gleichzeitig, versteht sich. Ich war eine dreiviertel Stunde eingekeilt bei REWE. Totale Blockade da, schreiende Männer, heulende Babys, Omas, die in der Warteschleife ihren Motor aufheulen ließen, last Christmas war es nicht so schlimm. Ich kämpfte mich zu Aldi durch, da lief es deutlich besser. Ich kurvte nur sechs bis sieben Mal im Kreis über den Aldiparkplatz, bis ich die Oma sah. Sie schob ein Gehwägelchen vor sich her, darauf lag eine Dose Erbsensuppe und Zweiglein Tannengrün und hielt ihren Autosüssel direkt auf den Wagen ausgerichtet, vor dem ich gerade in der Schlange stand. Es gibt einen Gott. Er ist bei Aldi Parkplatzwächter. So dachte ich da noch.

Ich brauchte bloss die Nerven zu bewahren, das gehupe all der anderen Autofahrer hinter mir in der Schlange, denen heute noch kein derartiges Glück widerfahren war, zu ignorieren, es konnte ja nicht ewig dauern, bis die Oma ihren Wagen aus der Parkplatzlücke lenken würde.

Konnte es, allerdings. Hinter mir stiegen die ersten aggressiven Männer aus, Babys brüllten, die anderen Omas ließen ihre Motoren heulen, irgendwer grölte jingle bells, süßer die Glocken nie klingen oder so, das allgemeine Niveau war fast schon wieder auf die Ebene vom Rewe-Parkplatz abgesunken und die Oma kriegte vor lauter Panik wegen dem gehupe ein halbes Jahrhundert lang ihr blödsinniges Gehwägelchen nicht in ihrem Kofferraum verstaut, aber ein Heiliger aus dem Morgenland kam ihr überraschend zur Hilfe und irgendwann fuhr sie in erstaunlichem Tempo rückwärts aus ihrer, meiner zukünftigen Parklücke raus, direkt auf meinen Wagen drauf. Rums.

Hinter uns wurden sofort erste Morddrohungen ausgesprochen, die Omas veranstalteten ein weihnachtliches Hup-Konzert, die Babys kannten kein Erbarmen. „Das kann doch nicht wahr sein“, „Stellt euch nicht so an“, „Macht jetzt endlich Platz, ihr Looser“. Ich parkte also in die frei gewordene Lücke ein, machte Platz, für alle, die da warteten, die Oma setzte derweil ihren Wagen, den Täterwagen, ein Stück weiter vorne ab und arbeitete sich dann schniefend und heulend wieder raus aus dem Gefährt.

Bis dahin eine stringente Geschichte. Hat wahrscheinlich so oder so ähnlich jeder von euch am Freitag vor Heilig Abend erlebt. Also jeder der Familie per Einkauf zu versorgen hat. Richtig absurd wurde es zum Glück dann auch noch. Sonst bräuchte ich ja hier nicht darüber schreiben:

Die Oma heulte wie ein Schlosshund, dicke Omatränen tropften vor Aldi auf den Parkplatzboden. Ich habe sie dann fotografiert. Die Oma. Wie sie heulend neben meiner Beule steht. Als Beweis. Meiner Dummheit, natürlich. Aber Polizei kam nicht in Frage. Die Oma WEINTE. Und ich war da schon ’ne Stunde länger unterwegs, als ursprünglich geplant. Und während ich das Foto schoss: heulende, kleine, krumme Frau vor Beule in Stoßstange von meinem guten, alten Ford Fiesta, befuhr ein Abschleppwagen diese Szene. Der Parkwächter nämlich, den ich sonst vor Aldi noch nie gesehen habe, er war überhaupt nicht Gott, allerdings war er ziemlich überambitioniert. Wollte sicher zeigen, was in ihm steckt. Wer will das nicht, so kurz vor Heilig Abend.

„Bitte, nein“ rief ich ihm zu, „diese Dame hier hat mich beim ausparken touchiert, wir klären das gerade, da müssen sie doch nicht gleich den Abschleppwagen rufen“.

„Jo, jetzt ist er aber hier, die Dame steht im Halteverbot“.

Die Oma begann jetzt unkontrolliert zu zittern.

„Das können sie nicht machen, bitte es ist doch WEIHNACHTEN“.

„Jo, das kann ja jeder sagen“.

„Stimmt. Aber ich… ich kann ihnen zusätzlich verraten wer am Sonntag beim Tatort der Böse ist“.

„Hä? Warum?“.

„Weil…ich hab da mitgespielt. Jawoll. Ich bin nämlich Schauspielerin, im Tatort und ich bitte sie recht herzlich, fahren sie den Abschleppwagen wieder weg“.

„Jo, wenn das so ist…“ (er tippte irgendwas in einen Apparat, der aussah wie ein riesen Handy) „wir haben Glück, der hat ’nen neuen Einsatz direkt hier um die Ecke, passt“.

„Ach, das ist wirklich freundlich“.

„Und, wer ist der Böse?“.

Nun. Ich will nicht spoilern. Den Tatort könnt ihr noch ’ne Woche in der Mediathek ansehen. Nur so viel kann ich sagen: Für DIE Böse hat es auch beim Tatort nicht gereicht. Und in Echt bin ich die Gute, die ihre Stoßstangen- reparatur jetzt selbst bezahlen wird. Hauptsache die Oma muss nicht weinen und wird auch nicht abgeschleppt. Was also kommt vom GUT sein, liebe Freunde? In Echt hat man nix davon. Die Welt ist schlecht. Wenn sie das nicht wäre, gäb es keinen Tatort und auch viele andere Dinge blieben uns erspart. Und der Tatort immerhin, kann Türen öffnen. Wenn man sich schlau anstellt. Ansonsten bewahrt er immerhin weinende Omas vor dem Abschleppwagen. Dem Bösen sei Dank. Und uns guten Menschen, die wir am Ende die Rechnung für den ganzen Scheiß begleichen.

Und Danke sagt auch eher selten einer. Die Oma hat von meiner altruistischen Tat nämlich nichts mit bekommen. Die fuhr wie eine Wilde Richtung Innenstadt von dannen. Hat wahrscheinlich unterwegs mehrere Ford Fiestas demoliert. Eine Schneise der Verwüstung, die der Welt erspart geblieben wäre, hätte nicht ich den Abschleppwagen…

Naja. Frohe Weihnachten an alle, die sich bis hierher durch gelesen haben. Was soll ich sagen? Es ist schön, für euch zu schreiben. Ihr seid die wahren Guten, denn ihr lest meine Texte und ich danke euch dafür.

 

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