Selbstentblößungskolumne Nr.I. Ich hab was machen lassen

Blendl Mareile
Schöne Klamotten sollen ja auch helfen. Bluse statt Nase! (Bluse: Atelier baldaufkoeln, Rock (mit Frida Kahlo Print) Marianna Déri

#ichhabwasmachenlassen #dickelippe

Dies ist eine Selbstentblößungs Kolumne. Eine von denen, die das Internet so liebt. (Angeblich). Also bitte auch ihr. Ihr liebt bitte diese, meine Kolumne, mit lauter Details aus meinem Leben, die ihr gar nicht wissen wolltet und über die ihr jetzt toller weise trotzdem mehr erfahrt, als ihr überhaupt wollen konntet. (Oh Gott. Macht das Sinn? Ich glaube nein. Ich fürchte, es macht grundsätzlich keinen Sinn aber wahrscheinlich ist das genau das Tolle dran).

Denn da wir jetzt hier (im Netz) eh‘ alle gegenseitig unsere Tagebücher lesen, fühle ich mich verpflichtet, auf meinem Blog wenigstens ein paar relevante Informationen mit zu liefern. Nicht nur diesen weichgespülten Insta-Kram. Steht hier auch gar keiner drauf. Ganz im Gegenteil. Hier ist ganz klar der Ort, um sich von den ganzen, anstrengenden Insta-Fake-Profilen mit all den Traumbodys in todschicken Bikinis und all den nackten Ärschen auf irgendwelchen super angesagten Gummitieren in irgendeinem sehr beliebten, öffentlichen Gewässer zu erholen.

Kommt zu mir, ich liebe Euch und will euch nicht mal was verkaufen. Ich bin einfach hauptberuflich Weltverbesserererin.

Spaß beiseite, denn ich mein‘ es ernst. Deshalb hier und heute mein Geständnis:

Ich war beim beauty doc. Und ja: Ich habe etwas machen lassen.

Ich fand das natürlich lange schon enorm verlockend, jetzt habe ich mich dieser Möglichkeit gestellt.

Das mit dem Aussehen ist ja so ’ne Sache. Es könnte einem selbst ja völlig gleichgültig sein, als was für Eine man in Erscheinung tritt. In meiner Welt, gesehen durch meine Augen, fehle absurderweise ausgerechnet ich als optische Erscheinung. Die Welt meiner Mitmenschen hingegen, die meiner Söhne, meiner Nachbarn, Freunde und Kollegen, ist voller Anblick von dem, was Mareile ist. (Abhängig davon, ob ich grad da bin oder nicht natürlich, aber wenn, dann!).

An diesem Beispiel sieht man: An mir liegt es nicht. Ich selbst würde mich, ohne darunter stark zu leiden, der Verwahrlosung und allen anderen natürlichen Prozessen gerne unterwerfen. Mit Vergnügen vielleicht sogar. Ich seh’s ja nicht!

Tatsächlich finde ich es manchmal richtig anstrengend, nach irgend einer auszusehen. Deshalb fand ich anfangs meinen Beruf auch toll: Weil ich dachte, er befreit mich von der Beschränkung meiner äußeren Erscheinung. Ich dachte, es geht darum, sich möglichst glaubwürdig in eine Andere zu verwandeln. Aber je länger ich das praktiziere, angewandte Schauspielkunst, desto mehr muss ich erkennen: Nö. Darum geht es NICHT. Es geht im Gegenteil darum, das, was man ist, markttauglich zu gestalten um es dann gewinnbringend zu, naja, ich finde: vermieten ist ein angemessenes Wort.

Vorübergehend wird meine äußere Erscheinung vom Spirit einer Staatsanwältin, einer Sekretärin, einer verlassenen Geliebten, einer Terroristin, einer was-weiss-denn-ich behaust, um danach wieder in der Auslage zu stehen und die nächste Buchung abzuwarten. Und dabei aus dem Vergleichen nicht mehr raus kommen. Was hat jetzt wieder die, das ich nicht habe? Kriegt die deshalb jetzt den Job?

Vielleicht schon, sie ist was wert, denn die das hat, das ich nicht habe, die hat da teuer für gezahlt.

Für ihre glatte Stirn. Die süße, kleine Nase. Die sexy aufgeworfenen Lippen, die tollen Möpse und den ganzen anderen Kram. Liegt ja neuerdings an einem selbst, wenn man das nicht hat. Ist ja kein Ding der Unmöglichkeit, genau so super auszusehen. Allerdings ’ne finanzielle Frage, aber da beisst sich natürlich gleich die Katze in den Schwanz: Ohne Investitionen kein Gewinn. So viel weiss jede, sogar ich.

Also hab ich mich beraten lassen. Von einer Frau, die selber ihre beste Investition war, offensichtlich. Ein altersloses Wesen. Mit einer Haut, so glatt, dass man beim sprechen Angst bekam, sie könnte reissen. Sprechen war eh nicht so ihr Ding. Sie hatte riesengroße Lippen und Schwierigkeiten mit der Artikulation. Den letzten Rest an Spucke, der sich ja immer irgendwie im Mund befindet wenn man spricht, flog mir ein bisschen um die Ohren, als sie mir die Risiken der Hyaluron Behandlung auseinander setzte. Quasi null. Na klar.

Ich war da eigentlich mit festem Vorsatz rein gegangen, in ihre Praxis auf der Kö. Aber, ihr könnt’s euch denken, ich bin geflohen. Ich fand es zu riskant, das einer anderen zu überlassen, die Herrschaft über mein Gesicht. Ihr Mund sah wie ein implantiertes Arschloch aus. Ich dachte immer, dieser dicke, aufgespritzte Mund, das wär ein Vaginasymbol, aber meine Assoziationen in dem Fall gingen einen anderen Weg.

Weil’s aber so ganz ohne auch nicht geht, wenn man den Entschluss schon mal gefasst hat, bin ich dann beim Wimpernlifting gelandet. Auch das gibt’s, es gibt inzwischen wirklich vieles, und ich kann es sehr empfehlen. Man bekommt dabei die eigenen Wimpern kurzzeitig über’m Auge angeklebt und liegt damit dann so ne halbe Stunde in dem Laden rum. Auf einer Liege, direkt neben all den anderen, die sich für Wimpernlifting entschieden haben. Und das ist genau der Punkt. Warum ich es empfehle. Man kann da nämlich hören was die sich erzählen. Es hat was therapeutisches. Als ob man bei den Psychoanalyse Sitzungen von jemand Fremden Mäuschen spielen darf. Und das baut auf. Weil man da merkt: Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Egal, wie dick die Lippen sind, von denen. Persönliches Leid ist subjektiv. Von aussen aber, sieht es grundsätzlich leichter aus, als es sich innen anfühlen mag.

Die links von mir z. B. hatte ein gestörtes Selbstbild wegen dem neuen Freund von ihrer Mutter. „Ich musste beim Frühstück immer angezogen sitzen. Seit diesem neuen Mann hab ich meine Mutter nie mehr im Schlafanzug gesehen. Und ich war erst sieben. Eines Tages dann lag dann dieses Schamhaar in der Dusche und weil meine Mutter lange blonde Haare hatte und er keine, sondern Glatze, hat mich das ins Mark erschüttert. Seitdem bin ich totale Perfektionistin und überlasse nichts dem Zufall“.

Als ich die Augen wieder öffnen durfte, und ein bisschen mit meinen frisch gelifteten Wimpern rum geklimpert hatte, sah ich mir die Perfektionistin näher an. Ihre Augen waren noch geschlossen, die Wimpern klebten unter ihrer Braue fest. Ein Fädchen hing ihr aus dem Saum am Rock. Und sie brauchte dringend eine Pediküre. Im Grunde hätte sie zufrieden sein können. Sie hatte offensichtlich bereits viel größere persönliche Fortschritte zu verzeichnen, als sie es selbst sah. Ihr Perfektionismus war auf jeden Fall in meinen Augen das kleinere Problem.

Aber ich geb euch das hier gerne weiter, meine ersten Schritte im Bereich der Schönheitschirurgie. Ich fand es als Gesamterlebnis wirklich hilfreich. Ab und zu das Innen und das Aussen ein bisschen korrigieren. Und links und rechts mal hinter die Fassade schaun. Hilft. Ich wünsch‘ euch einen schönen Sommer. Ich fahre demnächst kurz ans Meer, ich denke, nach dieser langen Sommerurlaubtrockenübung, als die man diesen Sommer 2018 nur bezeichnen kann, wird das eine routinierte Sache. Bis bald, ihr Hübschen! Eure Mary Reili

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