Morgens im Zoopark. Düsseldorf, my love, ich bin wieder hier

#ferienende #motivationmonday

Montagmorgen. Düsseldorf. Ich bin wieder da. Bin vom Urlaub zurück und jogge durch den Zoopark. So heißt der Park hier, weil da früher ein Zoo war. Vor dem Krieg. Jetzt verstecken sich da nur noch ein paar Tierkäfigruinchen im Gebüsch. In einer davon hat sich mein Sohn mit seinem Kumpel eingenistet. Vermutlich (vermutlich ist mein neues Lieblingswort) haben da früher die Löwen drin gehaust. Mindestens die Steinböcke. Mein Sohn ist Stier. Also vom Sternzeichen her, jetzt nicht als Zootier oder so.

Als Joggerin setze ich übrigens auf Purismus. Im Gegensatz zu den anderen Joggern die mir hier begegnen. Am Montagmorgen. Alle verkabelt und Joggingappmäßig auf dem neuesten Stand. Jeder Schritt wird gezählt, jeder Puls vermessen, die verbrannten Kalorien blinken motivierend auf dem Display. Wenn ich Solchen begegne, muss ich immer an meine Schulzeit auf der Waldorfschule denken. Wahnsinn. Da haben die echt noch diskutiert, ob es OK ist, eine Spülmaschine zu benutzen. Ist OK, wenn man den Mechanismus kennt, war die richtige Antwort. War grundsätzlich die ausgegebene Devise: Technische Geräte nur dann benutzen, wenn man weiss, wie sie funktionieren. Also innen drin, nicht nur auf der Bedienungsanleitung. Damit nicht die Technik den Menschen beherrscht, sondern andersherum. Ich weiss noch, wie wir deswegen im Physikunterricht ein Radio auseinander schraubten. Damit uns diese Stimme da drin mal nicht verhexen tut. Süß, oder? Und so anachronistisch mir das jahrelang erschien, heute morgen, im Zoopark, kommt es mir plötzlich absolut sinnvoll vor. 

Eine Oma – morgens sind hier jede Menge Omas mit ihren Kleintieren unterwegs, die meisten bevorzugen kleine Hunderassen, eine aber führt auch ihre Katze an der Leine durch den Park – also die Oma ruft mir auf jeden Fall: „Dat sieht Klasse aus“ hinterher. Hoffentlich meint sie meinen Laufstil. Ich hab doch grundsätzlich Angst vor dem berüchtigten Düsseldorfer Stil. Die meisten hier im Park tragen ihn. Ü 60 Frauen in Lacklederhosen, mit pinkem Lippenstift und kanarigelbem Bob ziehen unsichtbare Bahnen Haarsprayduft durch den Park. Ich selbst bin zwar im Joggingdress unterwegs, aber man weiß ja nie und ausserdem muss man immer auf der Hut sein. (Altherrensprüche, ihr lest es hier, gehören ebenfalls zu meinen neuen sprachlichen Stilmitteln).

Ausser den digitalisierten Joggern und den Omas an der Leine treffe ich noch einen Penner, der in der Hängematte auf dem Kinderspielplaz pennt und merehre sehr frische Mütter, die Selfies von sich mit Kinderwagen im Park schießen, bzw. schießen lassen. Wahrscheinlich (ich kann ja nicht IMMER „vermutlich“ schreiben) arbeiten die bereits parallel zur Mutterschaft am Mutterschaftsblog. Find ich super, mach ich ja selbst.

Drei russische Kinder in Orgelpfeiffenformation und geschwisterlichem Dolce Gabbana Komplettlook kommen mir entgegen, die kenn‘ ich schon, die werden exklusiv von einer deutsch- und einer englischsprachigen Nanny betreut. Die Nannys machen einen verfeindeten Eindruck, aber vielleicht täuscht das auch, ich hatte schon mehrmals den Eindruck, dass die beiden eher unterschiedliche Erziehungskonzepte vertreten und leider keine gemeinsame Sprache zur Verfügung haben, um die da notwendigen Kompromisse auszuhandeln. Well…

Am Düsselufer (die Düssel gibt es nämlich WIRKLICH, sie fließt einmal mitten durch den Zoopark hindurch) steht der einzige Opa des Tages, völlig ohne Lacklederhosen und Haarspraygedöns. Er macht sich Sorgen um die Enten. Die Brücke wird saniert. Es könnte sie verunsichern. Der Lärm und das alles. Er spricht ihnen Mut zu. Sagt ihre Namen und ruft ihnen Parolen zu: „Nur Mut“, „Alles wird gut“, „Oppa Rainer läßt eusch nit im Stisch“.

Während der dritten Runde, die immer meine Letzte ist, weil ich mich beim Joggen so wahnsinnig langweile, laufe ich eine Zeit lang hinter drei komplett schwarz verschleierten Frauen hinterher. Ich dachte erst, sie joggen, aber tatsächlich verfolgen sie ein Kleinkind, dass seinen automatischen Kleinkinderferrari durch den Park steuert.

Ach, Heimat. Da biste ja wieder. Als wärst du nie weg gewesen. 🙂

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.