#metoo. Die Geschichte meiner Brüste. (M)eine Sexbeichte

#notme

#metoo #it’snotthatsimple #sexualharassment

Ich muss mich korrigieren. Und auch wieder nicht. Und zwar geht es um diesen hashtag. Um #metoo. Um die Enthüllungen um Herrn W. die niemanden verblüfften.

Ich selbst hatte mich ja auch geäußert. Wie so viele. (Grundsätzlich sollte man solche viralen Massenmoves natürlich meiden. Weiss ich schon. Sie haben alle gemeinsam, dass sie in direkter Korrelation zu ihrer Ausbreitung verflachen. Zum Ende hin kann man sicher sein, dass es in einem Massen-schlamm-wälzen mündet. Virtuelles Woodstock. Arme Frauen gegen böse Männer).

In Echt, in Reality, ist es ja doch meistens etwas komplizierter. Was die Sache jetzt auch nicht einfacher macht. Aber einfach ist ja eh‘ zu simpel. Nix is nie einfach. Finde ich.

Mir persönlich ist ja zuerst gar keine Situation eingefallen, die ich als sexuelle Belästigung (darum geht es ja, harassment (engl.) = Belästigung (deutsch)) definiert hätte. Nur jede Menge Belästigung, Ausbeutung (und natürlich auch Unterdrückung) im Allgemeinen. Und die habe ich auch von weiblicher Seite erfahren. (Ich halte diese Erfahrungen übrigens nur für bedingt berufsspezifisch. Keine meiner Freundinnen, und die sind alles mögliche: Hebammen, Architektinnen, Anwältinnen, kennt die nicht).

Aber DANN, und das muss ich jetzt zugeben, sind mir doch ein paar Situationen eingefallen und weil einige davon ganz gut beschreiben, warum ich diesen hashtag immer noch nicht leiden kann, erzähle ich hier gerne die kurze Geschichte meiner Karriere als sexuell, ich nenn‘ es mal: „Herausgeforderter“.

Natürlich passierte es am Anfang. Auf der Schauspielschule. Eine verwirrende Zeit. Irgendwie ging’s ja darum, zu lernen, das Beste aus sich selbst raus zu holen. Damit man es, das rundum optimierte Selbst, später möglichst erfolgreich irgendeiner städtischen Bühne verkaufen kann. Dabei halfen uns sehr gerne unsere Schauspieldozenten. Ich erinnere mich da zum Beispiel an eine improvisatorische Sexbeichte in welcher der zu große Schwanz eines farbigen Exfreundes eine entscheidende Rolle spielte. Damit die betroffene Kollegin (sehr hübsch, sehr blond) lernt „zu ihrer Sexualität zu stehen und sie auf der Bühne einzusetzen“.

Mann kann sie schon gebrauchen, die Sexualität auf der Bühne. Und vor der Kamera. Sie ist ein nicht weg zu denkender Faktor. Sex sells. Warum? Weil wir uns alle davon angesprochen fühlen. Zum Glück. Wer will schon in einer ent-sexualisierten Welt leben. Ich nicht.

Ich mag Sex. Also grundsätzlich. Mich traf es, bei meinem liebsten Rollenstudium. Es war mein liebstes Rollenstudium, weil ich dabei am meisten, oder vielleicht sogar, weil ich dabei überhaupt mal wirklich was gelernt habe. Weil der Dozent toll war. Ich liebte ihn. Fast. Weil er mir einen Schlüssel zum Spielen in die Hand gab, kurz bevor ich tatsächlich und endlich in die zum Glück viel weniger als befürchtet raue Theaterwelt entlassen wurde.

Er forderte eine durchsichtige Bluse. Ich sollte, zu Übungszwecken, eine durchsichtige Bluse tragen. Drunter nackt. Nur so, bei den Proben. (Die ja nur zwischen ihm und mir stattfanden. Es war ein Monolog, den wir probierten). Er war sich ganz sicher, dass ich da noch etwas zurück halte. Mir meiner Erotik noch nicht bewußt genug bin. Um zu demonstrieren dass ich da eine Blockade habe, legte er mir die Hände auf den Busen. Damit ich ein positives Gefühl zu dem entwickle.

Aus heutiger Sicht war das sowas von #metoo. Damals hab ich es einfach total ernst genommen. Habe seinen Händen auf meinem Busen nachgespürt und versucht, ein gutes Gefühl zu ihm zu entwickeln. Und tatsächlich: Ich fürchte, ich hab die Rolle immer im Bewußtsein meiner zwar recht kleinen, aber ziemlich hübsch gebauten Brüste gespielt. Es wurde eine recht erfolgreiche Arbeit.

Die durchsichtige Bluse allerdings, die habe ich nicht angezogen. Ich hab mir einfach eine gekauft, die überhaupt nicht durchsichtig war. „Oh, aber im Laden war sie wirklich TOTAL durchsichtig“ hab ich dem enttäuschten Dozenten gesagt. Und der hat es dann auf sich beruhen lassen.

Seitdem haben meine Brüste immer wieder mal eine Rolle gespielt. Sogar auf die Titelseite des Süddeutschen Feuilletons haben sie es geschafft. Gegen meinen Willen. Die warmen Hände und ermutigenden Worte des inzwischen lange pensionierten Schauspieldozenten haben da was ausgelöst, in denen. Wahrscheinlich sind die heute noch sauer, dass ich ihnen den Auftritt in der durchsichtigen Bluse nicht gegönnt habe.

Das mit dem Feuilleton ereignete sich übrigens beim Theatertreffen. Ich hatte da so einen Nacktauftritt. Den hab ich freiwillig und gerne gemacht, weil er tatsächlich in dem Stück (in dem es um Missbrauch ging) eine völlig richtige Wirkung hatte. Er erzählte etwas, das anders nicht herstellbar gewesen wäre. (Natürlich hatte ich mit dem Kollegen, der in der Szene mein Spielpartner war, eine Affaire).

Und zum Theatertreffen, da waren dann vorab, vor unserer dortigen Premiere, Journalisten eingeladen. Die durften einen Durchlauf fotografieren. Ich hatte vorher gebeten, keine Nacktfotos zur Veröffentlichung frei zu geben. Irgendwen in der Theaterleitung. Vermutlich. Naja. Stolz war ich trotzdem, als Gesicht des Theatertreffens auf dem überregionalen Feuilleton gedruckt zu erscheinen. Wobei mein Gesicht tatsächlich kaum zu erkennen war. War ja ein Ganzkörperbild. Am präsentesten waren eigentlich meine Brüste.

Meine Großmutter, eine Münchnerin, und Zeit ihres Lebens „Süddeutsche“ Abonnentin, war verdammt sauer. Auf die von der Süddeutschen. Und auf die vom Theater. Is‘ halt alles auch immer ein Generationending. Sie wär da sicher nicht so einfach gelandet, nackt, auf der Titelseite vom Feuilleton. Manch anderes blieb ihr allerdings auch verwehrt. (Oder erspart. Ich kann es heute so oder so sehen. Mein Kollege aus der Nacktszene z. B. der hatte dann während des Theatertreffens schon wieder ’ne Andere. Hätt‘ ich in der Gesamtsumme drauf verzichten können, auf das Gefühls-komplett-paket, das ich mir mit dem eingehandelt hatte. Wär der Nacktauftritt nicht gewesen, HÄTTE ich wahrscheinlich drauf verzichtet. Um so schöner war es, ihm mit meinen Brüsten die Show zu stehlen. Er hätte sich bestimmt selbst gern da gesehen, schwarz auf weiss, wie Theaterfotos im Feuilleton da noch veröffentlicht wurden).

So. Genug Selbstentblößung. Ich knöpf‘ mal meine überhaupt nicht durchsichtige Bluse wieder zu. Und hoffe, dass ich irgendwie verständlich war?

Wenn einer sagt: Mach dies und das, fick mich, sonst spielst du nie wieder eine Rolle, dann ist das schlimm. Und der gehört angezeigt. Und oft genug wird er nicht angezeigt werden, weil er in ner beschissenen Machtposition sitzt (muss man ja auch erstmal hin kommen, ist nicht IMMER ein ganz sauberer Weg, schätz ich). Machtmissbrauch ist grausam. Wir sollten dagegen geschützt sein und sind es oft genug nicht. Das eigentliche Problem sind dann oft die  Systeme innerhalb derer sich sowas ereignet. Je hermetischer die funktionieren, desto schwieriger ist es für das Opfer, sich zu wehren.

Und dazwischen spielt sich das Leben ab. Auf der Probe. In der Schauspielschule. Vor den Kameras der Nation. Da herrscht erotischer Nahkampf. Der immer auch ein Machtkampf ist. Und wo Frauen Opfer werden und Täterinnen sind. Bitte! Alle Frauen rüber auf die Opferseite, das kann es doch nicht sein. Wir haben eine Sexualität, Gott sei Dank, dass er uns sowas Feines mitgegeben hat, sie spielt eine Rolle, wir spielen mit ihr und unser Gegenpart ist klassischer Weise der Mann. Fair play ist natürlich die Grundbedingung. Ich steh auf einen guten, sportlichen Wettkampf. Ich steh da meine Frau. Und auf einen ungehörigen Klaps auf den Po folgt mal ganz sicher eine saftige Ohrfeige. Ich freu mich drauf!

So. Zerreist mich gerne in der Luft dafür. Die undurchsichtige Bluse gleich mit. Ich steh nicht auf #meetoo. Ich steh da drüber. Wir alle, meine ich. Und Weinstein gehört offensichtlich ins Gefängnis. Schade, weil er hat wirklich verdammt gute Filme produziert.

Meine nächste Oben-Ohne-Szene steht übrigens schon auf der Dispo. Freu ich mich auch schon drauf. Weil wir da zusammen ein ultimatives Statement bringen dürfen. Meine Brüste und ich. Das ist eh‘ das Beste. Sich mit denen zu verbünden.Wir werden uns zu all dem äußern, was hier auch gerade eine Rolle spielt. Spielerisch. Was manchmal viel angenehmer ist, als eine klare Meinung schwarz auf weiss zu formulieren. Eigentlich bin ich gar keine Freundin von solchen klaren Meinungen. Naja. Zu spät. Ich geb Bescheid, wenn der Film fertig ist. Solange tauch ich unter. Guckt dann bitte den. XX Mary Reili

 

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4 Kommentare

    1. Das glaube ich Dir! Stillen ist eine absolute Herausforderung. Gut, dass du es ansprichst. Da schreib ich auch mal drüber. Über das Stillen. Für Dich, mein Steffilein. <3

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