Meine besondere Geschichte

Filmstill ausdem Kinofilm FRAU MUTTER TIER, Premiere 21.03.

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Demnächst hab ich eine Filmpremiere. (Am 23.03. in Düsseldorf im Film Kunst Kino Bambi ) Der Film heißt FRAU MUTTER TIER (Mixtvision Prod. Regie: Felicitas Darschin) und ist ziemlich lustig. Es geht um Mütter und deren tägliches Scheitern an ihren eigenen Ansprüchen. (Und an denen aller anderen, die es natürlich besser wissen, nicht zuletzt die eigenen Kinder, die die größten Ansprüche von allen haben). Der Dreh war ein Vergnügen (vor allem wenn die Baby-und Kinderkollegen gute Laune hatten). Ich spiele „ein etwas anderes Kindermädchen“ mit speziellen Fähigkeiten und fand es angenehm das Mutter-sein mal aus dieser (für mich) ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten – wenn auch nur im Film.

In Echt bin ich natürlich gerne Mutter. Allen Anstrengungen zum Trotz. Man hat als Mutter ja zum Glück die Kinder, mit denen kann man sich super von den Anstrengungen des Mutter-seins erholen. Und das mein‘ ich ernst. Die Mutterrolle ist nicht leicht zu spielen, sie hat ein Definitionsproblem. Was Frau soll, wie und welche Aufgaben sie zu erledigen hat, wird zur Zeit  heftig diskutiert. Aber die Kakophonie wird echt zum Bockgesang, sobald Frau Mutter wird.

Bis zu diesem Moment hast du eigentlich deine Ruhe: Du studierst, du arbeitest nebenher ein bisschen, gehst gerne feiern oder nicht, egal, du hast einen Freundeskreis, ein paar Lieblingsklamotten, irgendwann auch den Führerschein, eines Tages steigst du ins Berufsleben ein, ab und zu verliebst du dich, wirst verlassen und verlässt und plötzlich bist du im fraglichen Alter. Im Mutteralter. Und auf einmal wissen alle was du sollst:

DU SOLLST KINDER KRIEGEN, DU SOLLST ES BESSER LASSEN, DU SOLLST ZUR PRÄNATALDIAGNOSTIK GEHEN, NEIN, AUF KEINEN FALL DAHIN, DU SOLLST DICH GESUND ERNÄHREN, OHNE FLEISCH, NEIN MIT, DU SOLLST STILLEN, NACH DER GEBURT ERSTMAL PAUSIEREN, DU SOLLST GLEICH WIEDER AUF DEN BEINEN SEIN, DU SOLLST KARRIERE MACHEN, JETZT ERST RECHT, DU SOLLST ZÜGIG WIEDER ABNEHMEN, TROTZ DER BABYPFUNDE ZU DIR STEHEN, DU SOLLST PÄDAGOGISCH GRENZEN SETZEN UND ZWAR MÖGLICHST FRÜH, DU SOLLST DEIN KIND LIEBEN UND RESPEKTIEREN, DICH SELBST NATÜRLICH AUCH, DU SOLLST DIE BEIKOST SELBER KOCHEN, DU SOLLST HALBTAGS VOLLE LEISTUNG BRINGEN, DU SOLLST EINE GUTE BEZIEHUNG FÜHREN, SO GANZ NEBENBEI, DU SOLLST GEFÄLLIGST GLÜCKLICH SEIN.

Sobald du zwei rote Teststreifen auf deinen Schwangerschaftstest gepinkelt hast, wird es schwer, die eigene Stimme noch zu hören. Sie überhaupt kennen zu lernen. Kein Wunder. Es ist laut, da draussen. Die Pole sind extrem. Auf der einen Seite stehen die Pinterest-Mamies, die Vollzeit in die ästhetische Gestaltung eines Motto-Kindergeburtstags investieren, auf der anderen Seite stehen die Feministinnen, für die Ehe moderne Skalverei bedeutet.

Und irgendwie gehört man gleichzeitig zu allen Lagern.

Man gibt sich feministisch, vor allem gegenüber dem eigenen Mann, der mal wieder zu Hause nicht genug geholfen hat (die wenigtsen Männer arbeiten gleichberechtigt im Haushalt mit, sagt die Statistik, kann von mir bestätigt werden) man richtet natürlich trotzdem einen perfekten Motto-Kindergeburtstag aus, man plant nebenher die Karriere, aber so, dass niemand überhaupt bemerkt, dass man zu Hause Kinder hat und im Umkehrschluss so, dass die Kinder von der Karriere auch nichts mit bekommen. Und irgendwann, kurz bevor man mit komplett gespaltener Persönlichkeit unterwegs in die Klapse ist, fragt man sich:

Warum mach ich das überhaupt?! Warum war ich denn so wahnsinnig, Kinder in die Welt zu setzen?!

Und das, so finde ich, ist die beste Frage, die man sich in der Lage stellen kann. Weil sie ehrlich ist. Und weil es hoffnungsvollerweise eine gute Antwort darauf gibt.

Ich hab für euch mal einen ganz persönlichen Versuch gestartet:

Die Entscheidung Kinder zu bekommen war für mich voller Hindernisse, mein Körper wollte nämlich keine. Ich wußte früh (mit 27, das fällt heute unter früh) das ich sehr gerne Kinder haben möchte. Ein starker, völlig irrationaler, instinktiver Wunsch nach einem fremden, winzig kleinen Menschen auf den ich aufzupassen hätte. Ich habe das als etwas sehr mächtiges, mit Sicherheit hormonell, genetisch, biologisch, wie auch immer nicht zu unterdrückendes erlebt. Und frage mich heute, vierzehn Jahre später, wie das bei meinem Freund wohl damals abgelaufen ist? Glaube kaum, dass Männer diese fast instinkthaften Fortpflanzungswünsche kennen. Kennt ihr die? (*Ich bitte um männliche Rückmeldung zu dieser Frage).

Ich jedenfalls musste mehrere Versuche unternehmen, um meine erste Schwangerschaft zu stabilisieren. Den größten Teil der Veranstaltung habe ich im Krankenhaus zugebracht, die letzten sechs Wochen lag ich in einem schrägen Bett, den Kopf ganz unten, die Beine oben in der Luft, damit mir das Ungeborene bloss nicht zu tief ins Becken rutscht. Mein Sohn wurde trotzdem zu früh geboren, sein erstes Lebensjahr war voller Sorgen und vielen, weiteren Krankenhausaufenthalten, ich blieb zu Hause, es war das Richtige, er brauchte mich.

Die zweite Schwangerschaft, acht Jahre später (so lange brauchte ich, um mich von der ersten Erfahrung zu regenerieren) lief ebenfalls bescheiden, aber der Wunsch lies sich zum zweiten Mal nicht unterdrücken. Ich war bereit, mich für ein halbes Jahr hin zu legen, komplett, ich durfte nur mit dem Rollstuhl zur Toilette, meine Muskeln haben sich abgebaut, mein Kreislauf war am Arsch, ich war gezwungen, jede Menge Medikamente einzunehmen, mir selber täglich eine große Thrombosespritze in mein Bein zu jagen, ich wollte noch ein Kind. (Ob wirklich ICH das war, die unbedingt ein Baby wollte, wage ich heute zu bezweifeln. Es war eher der Wunsch an sich, der sich radikal manifestiert hat, aller Vernunft zum Trotz).

Ich erzählte euch das, meine „besondere Geschichte“,

weil ich denke, in meinem Fall ist diese Frage etwas verschärft, weil der Wunsch sich einfach über meinen Körper, der (aus verschiedenen Gründen) gar nicht in der Lage war, Kinder zu bekommen, hinweggesetzt hat. Was deutlich macht, wie stark er in mir war. Und trotzdem diese Frage (jetzt, wo der Wunsch befriedigt abgezogen ist und mich mit all den postnatalen Langzeitfolgen zurück gelassen hat).

Warum? Warum wollen Frauen das? Und (eigentlich NOCH erstaunlicher, warum machen Männer bei dem ganzen Wahnsinn mit?!)

Also: Vieles ist, ganz klar, Instinkt. Am Anfang, wenn sie da sind, diese mini-kleinen Menschen mit den Gesichtern von gequälten Greisen und darin Augen, so klug und wissend, als brächten sie alles von wo anders bereits mit, dann sind sie erstmal Fremde. Ich hatte beide Male, bei beiden Geburten,  den Impuls, mich ihnen höflich vorzustellen: „Hallo, herzlich willkommen hier in dieser Welt, ich werde deine Mutter spielen, auf gute Zusammenarbeit“.

Und dann ist da so viel Körper, so viel Geruch.

Am Anfang läuft es über die Nase. Wirklich wie beim Tier. Man riecht an diesen kleinen, zarten Körpern, man schnüffelt sich da rein, in diese Liebe. Die nimmt erst Anlauf, bis sie explodiert. Eine merkwürdige Liebe, weil man selbst darin nicht wirklich eine Rolle spielt. Man ist völlig auf die Bedürfnisse des kleinen Menschen ausgerichtet. Man wacht Nachts auf, eine Minute bevor das Bündel maunzt. Bricht hektisch Telefongespräche ab, weil das Bündel mit den Zehen wackelt – könnte schreien, könnte Hunger haben.

Überhaupt das füttern, das Nahrung geben, ist eine irre Sache. Dauert ewig, bis man das wieder los wird, sich für andere hungrig fühlen, die Bedürfnisse von anderen vor den eigenen empfinden. Mein Dreizehnjähriger ist gerade in der Ablösung begriffen. Mit fällt es noch sehr schwer, mich ihm gegenüber (in allem) jetzt zurück zu halten.

Überhaupt ist die Pubertät natürlich sehr geeignet, sich dieser Frage auszuliefern: Warum kriegt man Kinder?

Sie brauchen einen nämlich irgendwann nicht mehr. Wollen einen los werden. Müssen es, um selbst jemand zu sein. Und dann? War deine ganze Muttermühe überflüssig? Hat es sich gelohnt? Es ist sehr krass, sich das zu fragen.

Es ist ein harter Job. Er ist unbezahlt, gesellschaftlich umstritten, undankbar.

Die Kinder fokussieren irgendwann tatsächlich deine Mängel, dass, was du falsch gemacht hast, in ihren Augen. Sie sind gierige, egoistische Monster. Das ist auch Natur. Mann muss wirklich gut im Geben sein, um das alles auszuhalten.

Schlussendlich hat mein Sohn die Frage hier beantwortet.

Der Kleine. Ich hab ihn gefragt. Er ist mein Kind, ich dachte, es ist naheliegend, dass er die Antwort kennt.

„Weil du mich so toll findest“. sagte er. „Weil du mich so liebst. Und was wird größer, wenn man es teilt? Die Liebe!“ (Den Spruch kennt er aus einem Hörspiel). Ich war natürlich furchtbar stolz, was für ein schlaues Kind ich hab. Denn natürlich hat es Recht.

Für’s Lieben gibt es weniger Vorschriften, als für’s Mutter sein. Am besten praktiziert man einfach das. Den Rest, die gesunde Ernährung, die engagierte Pädagogik, diesen ganzen Scheiß, kann man sich vermutlich schenken.  Man wird eh‘ dran scheitern. So viel ist sicher.

Wer meine Theorie bestätigt sehen möchte, am lebenden Objekt,

der geht ab dem 21.03. ins Kino und guckt FRAU MUTTER TIER. Ich verlose zwei Karten. (Deutschlandweit). Einfach hier oder auf fb, instagram jemanden taggen, mit dem ihr zur Premiere kommen wollt. Viel Glück!

P.S. Dieser Text ist entstanden in Kooperation mit dem wunderbaren MOM-Blog: sonea sonnenschein -über das völlig normale leben-nur anders.  Soneas Mama lädt dort regelmäßig Mütter ein, über ihre „besondere Erfahrung“ zu berichten.  Wer also im Thema bleiben möchte kann es bei ihr wunderbar vertiefen. XX

*Dieser Post enthält unbezahlte werbliche Inhalte aufgrund von Markennennung und Verlinkung.

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2 Kommentare

  1. Sehr treffend…
    ich würde den Film liebend gerne mit meiner guten Freundin Claudia Oberlin anschauen. Wir sind auch mütterliche Tiere oder Frauen, die auch mal zum Tier werden können 😉

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