#ICELektionen #Gurkenfrühstück #NeverkissaFrog

ICEIch sitz‘ im Zug viel zu selten allein. Leider. Ich geb mir ja Mühe. Trotzdem bin ich oft DIE ERSTE, neben der jemand Platz nimmt. (Und falls dann keiner mehr einsteigt, bin ich auch noch die EINZIGE, die zu zweit sitzen muss. Alles schon passiert). Dabei arbeite ich intensiv an Taktiken, mit denen ich einen Beisitzer abschrecken könnte. Stelle mich schlafend. Hänge die Beine über den Nachbarsitz. Markiere Nachbarsitz territorial, duch Aufstapelung MEHRERER Taschen und Koffer, Bücher obenauf. Oder türme Mantel, Mütze, Zeitung, Kaffebecher, Butterbrot usw. neben mir auf. Sinnlos. Lautes Telefonieren hilft auch nix. Sogar schauspielerische Praktiken blieben bis jetzt völlig erfolglos: Die Unhöfliche, die sehr Beschäftigte, die Ausländerin, die eine unverständliche Sprache spricht („vielleicht ist es Isländisch?“), die Feindselige, die Angetrunkene, die Betrunkene, die total Besoffene, ach, was weiß ich. Ich mach das jetzt auch nicht mehr. Ich mach ja neuerdings mehr Fernsehen als Theater, da kann man schon mal erkannt werden im Zug und das geht ja dann auch nicht, dass man da total besoffen rüberkommt, oder Isländisch oder so. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass bei mir einfach soziologisch und auch statistisch vieles zusammen kommt, was andere Fahrgäste unbewußt dazu bringt, mich als optimale ICE-sitzpartnerin einzustufen. Alter, Gewicht, Kleidung, Haarfarbe auch das mütterliche, dass Frauen in meinem Alter umstrahlt, schadet hier sehr. Ich fürchte, ich wirke einfach total harmlos, stark belastbar und krisenerprobt. Bin ich ja leider auch. Ich bin derart harmlos und krisensicher, dass ich mich nicht mal umsetze, wenn sich sowas wie heut neben mich setzt. Obwohl ich auch nicht wüßte, wie ich an dem jetzt noch vorbei kommen könnte. Sprechen tut es auf jeden Fall eher nicht. Es grunzt nur. Und stinkt. Aus dem Mund. Obwohl es gar keinen Hals hat. Unter dem Kinn wächst gleich der Bauch heraus, aus dem wiederum zwei ungleich lange Arme ragen. Mit riesigen Händen und sehr dicken Fingern. Vielleicht ein Frosch, den unglücklicherweise jemand geküßt hat. Wir sitzen jetzt schon seit Würzburg nebeneinander. Stündlich holt es eine Dose Bier aus seinem Rucksack, die es TOTAL LANGSAM trinkt. Es muss einfach furchtbar schmecken, EINE STUNDE lang an ner Dose Bier rumzunuckeln. Wahrscheinlich besitzt es keine Geschmacksnerven. Wer keinen Hals hat, dem is‘ sowas zuzutrauen. Die leeren Dosen zerquetscht es in der Hand und steckt sie in seinen Rucksack zurück. Kurz vor Düsseldorf hat es ganz unten aus dem Rucksack ein Glas Gurken rausgeholt. Gurken sind so ne Sache. In fast allen europäischen Ländern werden eingelegte Gurken gegessen. Und jedes Land hat seine spezielle Einlegemethode dafür. Von den Polen weiss ich, dass sie Knoblauch verwenden. Knoblauch und Salz. Is‘ ne ziemliche Schweinerei in meinen Augen. Vor allem am frühen Vormittag. Und ich wollte eigentlich auch gar nicht so kurz vor meinem Zielbahnhof noch die Fassung verlieren. Deshalb hab ich mich dummerweise selbst unterbrochen, als ich ansetzte um zu sagen:“ Oh bitte, LASSEN sie das“. Statt dessen habe ich nur:“Oh bitte“. gesagt. Und so kommt es, dass ich heute eine wahrscheinlich von einer polnischen Oma liebevoll eingelegte Knofigurke gefrühstückt habe. So ne richtig Große. Falls wir uns also später noch persönlich begegnen sollten: Knutschen sollten wir ein andermal.                                                                                          P.S. Kleines maryreiliblogbonusding* für alle die jetzt – trotz Allem – große Lust auf polnische Gurken bekommen haben: Das beste Rezept habe ich bei meiner Recherche für diese ICELektion hier gefunden: new-kitch-on-the-blog

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