ICE Lektionen, heutzutage

ICE

Unlängst saß ich im ICE nach Ulm neben einem grundsätzlich gut aussehenden Mann, der leider stank. Und leider weiß ich auch warum. Er hat es nämlich am Telefon seinem Freund erzählt. Oder seiner Mutter. Heutzutage weiß man ja nie. Tatsache ist: Der grundsätzlich gut aussehende Mann hat drei Tage und Nächte durchgesoffen. Sagt er. Schuld ist „die Perle“. Bei der hat er die letzte Nacht verbracht. „Endlich“. „Die war harte Arbeit“, sagt er über sie. „Aber sonst große Klasse“. Und weiter: „Sehr sauber“. Und „hell und freundlich“, „kein Schnickschnack oder so, wirklich toll“.

Ich wollte schon feministisch tätig werden und meine Stimme gegen derart offen ausgelebten Sexismus („hell und freundlich“?! „sauber“?!) erheben, aber es hat sich dann heraus gestellt, dass der grundsätzlich gut aussehende Mann nur über die WOHNUNG von der Perle sprach. Also für meinen persönlichen Geschmack sind die Männer ja teilweise überästhetisiert heutzutage. Ich hoffe, da hab ich jetzt das richtige Wort gefunden? Ich meine leider nicht „rasend schön“, sondern eher: unverhältnismäßig stilbewußt. Über das Ziel hinaus schießend stilbewußt, wenn es um fremde Wohnungseinrichtungen geht. Vor allem, wenn die Fremde ein One-Night-Stand ist und die Wohnung vermutlich eh‘ keine weitere Rolle im Leben des Protagonisten mehr spielen wird.

Wahrscheinlich essen Solche dann mit ihren Perlen irgendein Veggie-Soulfoodfrühstück, dass sie stolz bei Instagram veröffentlichen, #krönenderabschuss, bevor sie sich für immer verpissen und mit dem ICE 5228 Richtung Ulm abhauen. Ohne vorher mal gründlich zu duschen. Sieht ja keiner, wenn es stinkt. Aber das gehört zum Mysterium des ICE-Fahrens auch dazu. Dass die Leute sich benehmen, als säßen sie da ganz alleine herum. Popeln in der Nase, schnarchen einem an den Hals ober telefonieren einem direkt ins Mittelohr hinein. Mich wundert’s bis heute, dass nicht mehr gefurzt wird, bei der generellen Hemmschwellensenkung in deutschen Fernverkehrszügen. Heutzutage.

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