Golden Eye. Freie Liebe in der Marktwirtschaft. Ein Selbstversuch.

Leider ohne goldene Handcreme unterm Auge. Immerhin bin ich es, die ihr seht. (Leider unverkäuflich). Credit @Dirk Ossig

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Hilfe! Ich hab ein goldenes Auge. Schon mal besser als blau könnte man denken. Also besser goldenes, als blaues Auge. Blau geschlagen meine ich. Grundsätzlich blau hab ich ja eh. Jetzt golden. Besser. Viel besser! Gold! Yeah! Für einen Moment lang, war es sogar wunder-wunderschön und viel weniger faltig, als das andere. Das nicht goldene Auge. Rechts. Links war golden, rechts, äh, faltig. Oder normal. Wie immer halt. Meinem Alter entsprechend. Nicht mega faltig jetzt. Ein bisschen halt. Leider hat das Ganze als Schmuh heraus gestellt. Allerdings als bester Schmuh seit langem, und deshalb glatt ein Blogpost wert.

Falls jemand hier auch mal ein goldenes Auge will. Für kurze Zeit. Dann bröselt’s wieder runter. Dafür ist es auch umsonst. Und funktioniert ein bisschen so, wie diese Harry Potter Sache am Harry Potter Hauptbahnhof. Ihr wisst schon: Diese unsichtbaren Pforten, die man entweder findet, oder man rennt voll gegen die Wand, die dann leider eben nicht die Pforte war. In einem Fall spielt die Geschichte allerdings nicht am Harry Potter Bahnhof, sondern auf der Kö. In Düsseldorf.

Da gibt es mehrere Passagen. Die Kö-Galerie, die Kö-Passage, Die Schadow -Arcaden und viele mehr. Und in einer dieser Passagen, steht ein Mann und wenn man GLÜCK hat, drückt einem dieser Mann ein Tütchen in die Hand. Ein kleines, goldenes. Er drückt es nicht JEDEM in die Hand. Das ist das Magische daran. Ich selbst bin ziemlich sicher schon viele hundert Mal an dem vorbei gelaufen und habe keins bekommen. Aber heute war alles anders. Besser. Heute hielt er mir ein Tütchen hin.

Ich griff danach, immerhin war es GOLDEN. „Eine Handcreme für die Dame“, sagte der Mann und hielt sich weiter an dem Tütchen fest, so dass wir, einen Moment lang, durch das Tütchen miteinander verbunden waren. Er sah mir in die Augen. Dachte ich. Tatsächlich sah er knapp darunter. „Darf ich fragen, was sie unter den Augen aufgetragen haben, schöne Frau?“.

Es schwang Anerkennung mit in dieser Frage. Anerkennung und Bewunderung. Ich hab’s genau gehört. „Concealer“ sagte ich also stolz, als ob das was besonderes wäre. „Das ist ja toll“, sagte er zu mir, seine Hand lag inzwischen sanft auf meinen Arm, das Tütchen hatte er los gelassen, „aber ich hab noch was besseres für Sie, kommen sie mal mit“.

Und schon saß ich in einer Art goldenem Salon auf einem Behandlungstuhl. Er nahm auf einem Schemelchen zu meinen Füßen Platz, ich legte meine Hände in die Seinen. (Er wollte es so). Wir sahen uns an. Voller Zuneigung, wie mir schien. Tatsächlich griff er sich das Tütchen, dass ich noch immer in den Händen hielt. Beiläufig und doch beeindruckend geschickt riss er die Handcreme-Probe auf und begann, damit meine Hände zu massieren.

Das unangenehme an der Situation war leider, dass ich nicht alleine war. Ich hatte meinen Sohn dabei. Den Großen. Er saß in dem goldenen Sessel neben mir und es war ihm alles furchtbar peinlich. Ein fremde Mann zu meinen Füßen. Meinen geniesserischen Ausdruck in den Augen, wegen der wirklich unfassbar guten Hand-Massage. Ich glaube, in dem Moment hat er zum ersten Mal begriffen, dass seine Mutter eine Frau ist und auch von anderen Männern als solche behandelt werden KANN. Er wand sich in seinem Gold-Sessel und sendete mir über den Spiegel mit verdrehten Augen Zeichen zu, ich solle endlich aufstehen und das Spiel beenden. Konnte ich aber nicht. Der Mann hatte mich voll im Griff. Gerade spielte er mit meinen Ohrringen.

„Gold!“ rief er. „Gold!! May i speak englisch?“. Plötzlich war sein Deutsch am Ende. Dabei hatte es total authentisch geklungen. „I am from Los Angeles“ lies er uns jetzt wissen. „Just for two weaks in Düsseldorf. Where are you from?“. „Düsseldorf?!“ sagten mein Sohn und ich aus einem Mund und mein Sohn erhob sich schnell, er dachte wohl, das sei ein guter Aufhänger, um sich der Stadt, in der wir eben noch geschlendert waren, wieder zu zu wenden.

Aber wir waren jetzt gefangen, in dieser goldenen Höhle, die gar nicht zu Düsseldorf gehörte, die sich nur heute ausnahmsweise für uns geöffnet hatte und, ich geb es zu, ich wollte noch nicht weg. „You are a natural beauty“ sagte der Mann zu mir (sein amerikanisch war sehr lässig, er lies eine Menge Worte aus, aber ich war lang nicht mehr in Los Angeles gewesen eigentlich noch nie, nicht mal in Amerika, also dachte ich, naja, so reden die halt da, was weiss denn ich). „Especially your eyes!“ rief er jetzt so laut, dass eine Menge Leute zu mir guckten (ich spürte allgemeines Interesse und Bewunderung) und dann flüsterte er mir zu „look, i show you something“. Er nahm mein Gesicht liebevoll in seine Hände, wischte mir eine Strähne aus dem Gesicht. „By the way:  Love your Haircut“. „Your Mum has such a lovely haircut“ sagte er sehr ernst zu meinem Sohn, der daraufhin sehr tief zurück in seinen Sessel sank.

„Look up! Eyes to the roof“, befahl der Mann. Ich guckte hoch und überlegte noch, ob es nicht eher „ceiling“ heißen müßte, aber offensichtlich machte ich alles richtig. „Great!“ rief er und schmierte eine goldene Paste unter mein linkes Auge. Ich blinzelte, es brannte etwas. „This! Is! Beautyfull!“ er hielt mir einen keinen Spiegel hin „for you just 300 € special offer for today“ flüsterte er, mit Seitenblick zu meinem Sohn, der in seinem Sessel bis auf den tiefsten Grund gesunken war, die Augen ebenfalls zur Zimmerdecke hoch verdreht. 

„Look! “ im Handspiegel sah mir selber ins Gesicht. Ich konnte die Sorge um meine 300 € in meinem rechten Auge lesen. Und unter dem linken sah ich pures Gold. Es glitzerte. Und alle Falten waren weg. Einfach verschwunden unter der goldenen Paste. Wirklich erstaunlich. „It really, really works for you“. Dann rief er seinen Geschäftspartner herbei. Beide bewunderten kurz den offensichtlich ganz besonders gut geglückten Effekt des Goldes unter meinem linken Auge, besprachen sich kurz, der Geschäftspartner nickte meinem Behandler zu und der griff sich wieder meine Hände. „I tell you a secret. We make a very special price. Just for you. 150 €. But only for today“.

Aus dem Sessel in dem mein Sohn saß, kam ein unglaublich langes Stöhnen.

Ach ja…

Ich hab mich, natürlich,  los gerissen. Und nicht mal die Handcreme zum individuellen Preis, extra für mich, nur 60 €, mit genommen. Gold ist wirklich toll, aber ich kann nicht spontan kaufen. Konnte ich noch nie. Als ich ihm das erklärte, meinem neuen Freund, sah ich Hass aufblitzen. Auf mich. Und mein unspontanes Konsumverhalten. Hat mich nicht gewundert. Wo viel Liebe ist, da ist auch viel Hass. Er hatte an mich geglaubt, ich hatte ihn enttäuscht. So ist das manchmal, in der Liebe. Und der freien Markwirtschaft. Er tat mir leid.  So lange, bis ich wieder auf der Strasse stand und mir die Augen rieb. Da fing das Ganze nämlich an zu bröseln. Das Tageslicht bekam ihm nicht. Es funktionierte nur im Schummerlicht der Parrallelwelt. Hier draussen, in der harten Realität der Düsseldorfer Kö, blätterte es einfach wieder ab. Und drunter wurden alle Falten wieder sichtbar wie zuvor.

„Hahahaha“ sagte mein Sohn immer noch SEHR unangenehm berührt, von dieser Eskapade. Ich war trotzdem glücklich über unseren kleinen Ausflug in die Harry Potter Welt. Voller Zauber und Magie. Und kann das wirklich allen nur empfehlen. Geht da hin. Lasst euch die Hände massieren und das linke Auge mit goldener Paste eincremen. Das, was der Mann währenddessen zu euch sagt, ist alles wert. Gold ist eben doch ein ganz besonderer Stoff.

P.S. Im Nachtrag muss ich leider anmerken, dass ich nach diesem Erlebnis ziemlich lange mit einer kleinen Entzündung unter meinem linken Auge kämfte. Deshalb ändere ich hier meine Empfehlung: Falls ihr mal in Düsseldorf auf der Kö spazieren geht: Holt euch das Handcremepäckchen, genießt die Masage, die aufbauenden Worte von dem netten jungen Typen aus dem Düsseldorfer Stadtteil Los Angeles, und wenn er sagt: „Eyes to the roof“, brecht ihr einfach die Behandlung ab. Bis dahin: Viel Spaß und gern geschehen. Dafür sind wir ja da, wir virtuellen Influencer. Damit ihr die wichtigen Infos zu den Produkten VORHER bei uns lesen könnt. XX Mary Reili

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