Das Zeitfenster für die feste Materie öffnen. Eine Anleitung zum Zeitvertreib.

Zimtgebäck

#solidmatter2.0 #ameliegrözinger #feature02

Ich würd‘ ja gern zeitnaher schreiben. Schaff ich aber nicht. Dazu fehlt mir die Zeit.

Im Übrigen danke ich an dieser Stelle allen maryreiliblog-Lesern, die ihre Zeit hier, auf meinem Blog verbringen. My stats are booming! Ich weiss das so sehr zu schätzen! Zeit ist Geld! Oder auch nicht! Also kein Geld! (Blöd). Nur Zeit. (Trotzdem danke). Von der Zeit kann man sich zwar nix kaufen, aber sie ist ja trotzdem das Kostbarste, was wir alle haben und ausserdem unverkäuflich. Allerdings kann man sie stehlen. Sagt auf jeden Fall ein Sprichwort: „Woher nehmen, wenn nicht stehlen“. Also stehlen. Sich aus einem ganz gewöhnlichen Tag ein bisschen Zeit abzwacken… Also, ich hab das letzte Woche durchaus versucht.

Letzte Woche, da hatte ich einen Termin in der Stadt, und danach bin ich nicht, wie es sinnvoll und angebracht gewesen wäre, nach Hause geradelt, sondern habe mich in eine Backstube gesetzt und eine Zimtschnecke bestellt. Ein teilweise kompensatorischer Akt, weil mein Mann zu IKEA gefahren ist, ohne mir vorher Bescheid zu sagen. Ich bekenne mich. Ich bekenne mich, zu den ganz, GANZ kleinen Dingen. Zu kompensatorischen Zimtschnecken. Im Kleinen, da kann ich Größe entwickeln. Das Kleine groß machen. Die Göttin der kleinen Dinge. Heldin des Alltags und so. (Was am Ende eine wertvoll verbrachte Zeit ist, darüber möchte ich mich hier NICHT äussern. Ich verstehe mich ausschliesslich als UNTERHALTUNGSMEDIUM. Philosophisches verhandele ich nur strikt unter der Oberfläche, nebenbei und aus Versehen).

Auf jeden Fall ist es das, was ich am Internet so schätze. Am sozialen Netzwerk. Das es hier um die schnellen, KLEINEN Dinge geht. Manche von denen kommen hier erfreulich groß raus. Eine Zimtschnecke zum Beispiel. die kann da ganz schnell zu einem ultimativen Riesenteil heranwachsen. Hurra, ich esse eine Zimtschnecke beim Bäcker gegenüber. 1000 Likes. Weil die Schnecke vielleicht vegan ist. Oder eben weil sie es gerade NICHT ist. Sie könnte auch besonders hübsch sein, die Schnecke. Ein Prachtexemplar, attraktiv auf karamellfarbenem Geschirr präsentiert, ein grüner Pflanzenstengel vervollkommnet das Bild. Oder der, der sie isst, sieht geil aus. Ist ein Promi oder hat einfach supertoll gepflegte Zähne. Oder zumindest einen supertollen Filter drüber, über allem.

So. Tut mir trotzdem ein bisschen leid, dass ich es letzte Woche nicht zu mehr als dem kompensatorischen Verzehr einer Zimtschnecke brachte. Also für euch, ihr müsst das jetzt lesen, hier… Aber es ist super, dass ihr dran geblieben seid, denn JETZT kommt tatsächlich noch was wirklich Relevantes. Das, worüber ich schon die ganze Woche schreiben wollte, und das Zeitfenster erst stehlen musste, weshalb jetzt Zimtzucker in meiner Tastatur klebt:

solid matter 2.0, Amelie Grözinger

Und zwar ist ja seit der Ausstellungseröffnung: SOLID MATTER 2.0 auch schon wieder eine ganze Menge Zeit vergangen, eine komplette Woche hat sich da durch geschlängelt, zwischen der Eröffnung und diesem Artikel hier, aber zum Glück stehen die wunderbaren Arbeiten meiner Schwester da immer noch rum, in der Galerie Volker Diehl und können dort bis zum 11.11.2017 besichtigt werden. UND gekauft. Weil auch eine Künstlerin ihre Miete am Ende cash bezahlt.

Sie kommen übrigens direkt aus dem Netz, ihre Bilder.

(Hier könnt ihr Euch Amélies Portfolio online ansehen: Amélie Grözinger)

solid matter 2.0, Amelie Grözinger

Aus zwei ganz zarten Instagram-Motiven, einem Sonnenuntergang ÜBER den Wolken (aus dem Flugzeug fotografiert)  und einem sehr dekorativen Dickicht aus Palmenwedeln hat sie die gefaltet. 3Dmäßig. Mit ihrem ganz eigenen Origami-falt-Konzept. Und es ist schön zu sehen, wie so ein Netzwerkmotiv sich hier mal selbständig macht und ein Eigenleben entwickelt. Wie es aus seinem wunderschön irisierenden Bilderrahmen herauswuchert, als würde sich das Ursprüngliche: Wolken, Luft, Palmen, Pflanzen seinen Weg bahnen, als wehrte es sich dagegen zum Posting degradiert zu sein, als rumorte es in dem Rahmen, in den man es gesteckt hat, oder als wäre es auf dem besten Weg, zu etwas neuem, eigenem heranzuwachsen. Virtuelle Natur, idealisierte Pflanze, ein neuer Zustand, der sich durchsetzt, an den Wänden der Galerie Diehl.

Geht mal hin. Nehmt euch die Zeit. Also ich liebe es!

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.