Elternkolumne RP

Mareile Blendl, tut so, als ob sie an einer Hotelbar sitzend, ihre eigene Kolumne liest. Credit: @DirkOssig

Wir feiern dieses Jahr drei Halloween-Partys. Damit sich nur Kinder begegnen, die eh‘ täglich Kontakt haben. Eine kleine Party für die Kindergartenfreunde, eine winzige, für die neuen Klassenkameraden und eine für die Freundin, die zu keiner der Gruppen gehört. Wir feiern draußen, damit die Ansteckungsgefahr gering gehalten wird. Bevor unsere grauenhaften Gäste sich am Horror-Buffet bedienen, müssen sie die Monsterpfötchen waschen. Wir passen auf.

„Warum tust du dir das an?“ fragt meine Freundin mich. „Lass es doch ausfallen.“ „Nein. Man ist nur einmal sechs.“ „Naja. Ist doch nur ein Jahr, das kann man nachholen“ „Kann man nicht. Kinderjahre sind einmalig. Das sechste Lebensjahr ist eines der prägendsten. Da fängt die Schule an. Ab dann werden sie groß. Stell dir mal vor, wenn er später an diese Lebensphase zurück denkt, erinnert er sich nur an ausgefallene Feste, Sicherheitsabstand und Ansteckungsgefahr. Da sollten auch ein paar schöne Erinnerungen dabei sein, nicht?“

„Und dafür brauchst du Halloween?! Den importierten Grusel aus Amerika?!“

„Es kommt aus Irland. Ursprünglich. Da war es ein Druidenfest. Die Iren haben es den Amerikanern eingeschleppt, die haben es aufgemotzt und dann ist es wieder zurück geschwappt, zum alten Kontinent und hat uns infiziert. Also mich.“

„Ah, es ist viral gegangen!“ sagt meine Freundin. Wir lachen beide und dann seufzen wir.

„Ich glaube, es tut uns allen ganz gut, einmal im Jahr die Tür zur anderen Seite einen Spalt breit aufzumachen und unserer Angst vor dem Tod ins Gesicht zu sehen. Oder Frankenstein.“

„Naja, wir haben Corona, ist das nicht gruselig genug?“ „Es ist mega-gruselig. Und leider Anlass, auf sehr vieles zu verzichten. Vor allem den Kindern wird seit Monaten eine Menge abverlangt. Sie haben es verdient, dass wir auch mal darüber nachdenken, was jetzt trotzdem möglich ist. Wie wir Normalität, aber auch jahreszeitliche Feste und Rituale verantwortungsvoll retten können, trotz aller Sicherheit.“

„Da passt Halloween natürlich besonders gut“, stimmt meine Freundin zu. „Noch einmal zum Spaß gruseln, bevor der Winter kommt. Dann wird es ernst.“

„Ich geh‘ als Virus.“

„Und ich als Schutzimpfung. Haha!“

Jetzt mischt mein Mann sich ein:“Wolltest du den Kindern nicht andere Erinnerungen mitgeben?!“

„Mach ich doch. Alter Karnevalstrick! Wenn man etwas lächerlich macht, verliert es seine Macht. Ein bisschen, wenigstens.“

In dem Sinne, liebe Leser*innen! Keine Macht dem Virus! Verlieren Sie nicht den Mut.

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