Elternkolumne RP

Mareile Blendl tut so, als ob sie an einer Hotelbar sitzend, ihre eigene Kolumne liest. Schön wär’s! Credit: @DirkOssig

Liebe Freunde, ich wünsche euch von Herzen FROHE OSTERN! Meine Elternkolumne bei der RP ist bereits am Karfreitag erschienen. Aber weil der link diesmal hinter der paywall liegt, unzugänglich, selbst für mich, bekommt ihr meinen Text hier exklusiv.

Als Osterbonus hab ich drunter eine vorangegangene Kolumne verlinkt, aus der Zeit, als die „Krise“ gerade Fahrt aufgenommen hat. Nur einen Monat älter. Wenn man die liest, kann man gut nachvollziehen, wie wir alle von den jüngsten Entwicklungen überrollt wurden. Ich hoffe, demnächst geht es hier wieder um andere Sachen. So lange: Viel Spaß mit der Oster-Eltern-Kolumne! Euer Osterbunny!

Elternkolumne:

„Puschel ist weg!“ mein Neffe weint mir am Telefon ins Ohr. Ausgerechnet jetzt ist sein Kaninchen vom Fuchs gerrissen worden. Er weint schon seit gestern, sagt meine Schwester, sie weiss nicht, wie sie ihn beruhigen kann. Das sei nicht mehr normal. Nein, ist es nicht. Aber hier ist es das selbe. Mein kleiner Sohn, er trägt bei uns den liebevollen Kosenamen „Nordeuropäischer Brüllbär“ weil er, bis jetzt, vor guter Laune und Energie kaum zu stoppen war, weint bei jeder Gelegenheit. Als sich sein Salzteigwerk zerbreche, (aus Versehen) weil es am Basteltisch fest klebt, weil er die Bundesligaergebnisse nicht in seine Tabelle eintragen kann, weil gar keine Bundesliga ist, weil der Sportplatz abgesperrt wurde, weil er seine Freunde nur per Skype sehen darf. „Wenn man gar nichts darf, hat man auch zu nichts mehr Lust“ hat er mir gesagt. Er sitzt jetzt immer öfter am Fenster und schaut den Vögeln zu.

Ich fürchte, ich bin eine schlechte Kindergärtnerin. Mein Sohn merkt, dass es uns Erwachsenen alles andere als gut geht, zur Zeit. Dass wir ernste Sorgen haben. Und sie merken, dass „Corona“ das Virus, über das sie vor kurzem noch interessante Aufklärungsfilmchen gucken durften, ihr Leben in den Würgegriff genommen hat.

„Ostern“, sage ich zu meinem Neffen am Telefon, „hörst du mich?“ „Er nickt mit dem Kopf“ ruft meine Schwester im Hintergrund, weil ich nur wimmerndes Schluchzen höre, „Ostern ist das Fest der Hoffnung und der Wiedergeburt.“ „Mir doch egal!“ „Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben!“ brülle ich. „Du musst nicht schreien, wir hören dich gut, das Geheule ist nur für deine Ohren laut“ brüllt meine Schwester, die natürlich auch nicht schreien muss. Aber so ist das halt, wenn man sich am Telefon unterhält.

„Also, jetzt hör mal zu: Ostern feiern wir die Auferstehung und das Leben. Den Glauben daran. Und das ist vielleicht das Beste, was wir jetzt tun können. So richtig fest dran glauben, ja?“ „Aber wie?“ Kinder sind leider wahnsinnig schlau. „Hm. Wir feiern das tollste Ostern, das wir jeh gefeiert haben, ok? Wir schmücken, als wär‘ Weihnachten, wir verpacken Geschenke als ob Geburtstag wäre und wir essen alles, was uns schmeckt.“ „Und was hat das mit Auferstehung zu tun?“ „Tja, auf die können wir nur hoffen.“ „Aber warum feiern wir?“ „Vielleicht um die Hoffnung sichtbarer zu machen?“ „Ich will Puschl wiederhaben!“ „Weisst du, Kaninchen können an Ostern auferstehen. Für die ist nicht der Liebe Gott zuständig, sondern die Natur. Und die macht da bei Kaninchen eine Ausnahme. Weil Ostern ist.“ „Echt?“ „Klar.“ „Na gut.“

Tja, das Prinzip Hoffnung beruht unter anderem auf Ablenkung. Sogar Notlügen sind erlaubt. Gott sei Dank. Bleibt zu hoffen, dass bis zur Auferstehung ein paar Ablenkungsreccourcen übrig bleiben. Halten Sie so lange gut durch!

Bonuskolumne: Auge machen ist ziemlich cringe: https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorfer-koennen-mit-hilfe-von-google-ihre-kinder-besser-verstehen_aid-49417163

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