#Deutschland #Provinz #ItalienischfürAnfänger

Am Wochenende war ich in der Provinz. Auf Einladung. Die fand allerdings erst Abends statt. Und weil ich mir die vorher noch in Ruhe ansehen wollte, die Provinz, bin ich schon Mittags hin gefahren. Ich dachte: „Is doch super, gehste da essen“. Ich bin bis jetzt davon ausgegangen, meine Heimatstadt Düsseldorf wär provinziell, aber: Isses gar nicht. In Düsseldorf gibt es ein kulinarisches Angebot. Da kann man sich einmal um den Erdball essen. Gut, das kann man in Berlin in einer einzigen STRASSE tun, aber wer schafft das schon an einem einzigen Tag? Insofern ist das dann auch überbewertet, aber in der Provinz, da muss man noch richtig suchen, wenn man was sucht. In der Provinz wird irgendwie auch Deutschland praktiziert, mit wiederaufgebauten Innenstädten und Pimkie und Kaufhof und ein bisschen historischem Restbestand, nur dass das ausser den Anwohnern, den Provinzlern selbst, halt keiner weiss, dass das da stattfindet. Und ausserdem sind da total viele Rentner unterwegs. Könnt ihr euch auch noch an den Pilz erinnern? Den demografischen Pilz, mit dem der Geografielehrer einem an die Tafel malte, wohin das führen wird, wenn in Deutschland weiterhin die Sterberate höher als die Geburtenrate ist? Also hier, in der Provinz, sieht man sofort, wohin das ganz genau führt und warum das NICHT gut ist. Es hat nämlich direkte Auswirkungen auf die Speisenangebote in der ansässigen Gastronomie. Die Spanne reicht dann von: „Unsere bayerischen Wochen“ bis „Klassisch italienisch“. Wir haben uns für Italienisch entschieden. Mein Mann meinte, Schweinebraten hätten wir schon genug inhaliert beim Spaziergang durch die Innenstadt. Das Essen war mäßig, ich hätt es besser hingekriegt, aber das kann jetzt auch ungerecht sein. Gegenüber dem Restaurant, nicht gegenüber der Provinz. Die war nämlich dran Schuld, dass es mir gleich zu Beginn den Appetit verschlagen hat. Wegen der Schuhe, die das Rentnerpaar am Nebentisch trug. Derart Provinzielles sollte verboten werden. Klettverschlüsse für Erwachsene sollten grundsätzlich untersagt sein. Und nacktes, aufgedunsenes Fleisch, das aus Riemchensandalen quillt auch. Man kann ja Strümpfe tragen. Echt jetzt. Sie haben M7 und M13 von der Tageskarte gewählt. Saltimbocca alla romana und ein Fischgericht. „Aber die Schnitzel ohne Deko“. Er meinte das Salbeiblatt. Den Wein wählte der Mann. Das war der Moment, in dem wir begriffen, dass es ein DATE ist. Deswegen redeten die auch soviel. Die anderen Paare schwiegen nämlich alle. Die Musik war voll aufgedreht. Vielleicht damit sie eine Chance hatte, überhaupt gehört zu werden. Vielleicht aber auch, damit wir eine Chance hatten unsere Spaghetti runter zu kriegen, BEVOR uns das geriatrische Geschmatze und Gekaue um uns herum entgültig den Appetit verdarb. Den Kletticasanova am Nachbartisch haben wir aber trotzdem gut gehört. Er sagte zu seiner fleischigen Auserwählten: „Isch hol mir immer die harten Weine“ und zum Kellner: „Machen se mal ne Flasch bei, ich spür sonst nix“. Hab ich dem direkt geglaubt.

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