Ich gründe einen Club. Für eine bessere Welt. Im Zweifel.

#skeptizismus #club #füreinebesserewelt

Ich gründe einen Club. Seit längerem schon schlage ich mich mit dieser Idee herum, IMMER schon wollte ich später mal, wenn ich schön, alt und weise bin, Rollkragenpullover trage und hochwertige Parfums, einen Club gründen und jetzt, endlich, weiss ich auch, worum es gehen wird, in meinem CLUB: Ich gründe den CLUB DER SKEPTIKER und jeder ist sehr herzlich eingeladen, mit dabei zu sein. Mann, Frau oder Kind, ihr seid willkommen. Hauptsache ihr tragt Rollkragenpullover und gutes Parfum. Ne, Witz: Keine Kleiderordnung. Bringt einfach gute Laune mit. Über den Rest können wir reden.

Aber von vorne, damit ihr auch den Spirit kennt, bevor ihr beitretet, denn ich meine es ernst.

Ich schreibe hier ja nie über Politisches, äußere sehr selten meine MEINUNG (darüber habe ich auch schon geschrieben, hier) und das nicht ohne Grund: Erstens geht es hier hauptsächlich um literarische Unterhaltung (hoffentlich um gute) und zweitens finde ich die allermeisten laufenden Diskussionen ziemlich scheiße. Und ich sage, das hat mit unserer Sprache zu tun. Mit Begriffen auf die wir uns berufen, aus Gewohnheit, und die tatsächlich abgeschafft gehören. Weil sie veraltet sind. Verstaubt, verdorben, total verdreckt und irreführend. Mann kann sie nicht mehr nutzen ohne am Thema vorbei zu diskutieren. Es sind nur alte Wort-hülsen, von unseren Eltern geprägt, heute nicht mehr hilfreich. Die Inhalte stimmen mit ihnen nicht mehr überein.

Zum Beispiel die Begriffe RECHTS und LINKS. Um die gerade viel gestritten wird. Die kann man so, wie sie jahrelang funktionierten, jetzt endlich mal entsorgen bitte.

Schuld sind verschiedene, politische Entwicklungen, die abzusehen waren (Globalisierung) und deren Auswirkungen ganz offensichtlich ALLES durcheinander gebracht haben, auf das wir uns in letzter Zeit so schön geeinigt hatten. Und noch schuldiger sind die sozialen Netzwerke, auf denen jeder der schlau genug war, sich rechtzeitig anzumelden und ein relevantes Profil aufzubauen, seinen öffentlichen (natürlich öffentlich, wer was anderes behauptet, lügt und zwar in seine eigene Tasche) Wert festschreibt. Eine dort veröffentlichte Meinung dient immer zuerst der Selbstdarstellung. Machen wir uns nix vor.

„Rechts“ und „links“ sind Begriffe, mit denen man sich (leider) gerne schmückt.

(meine Freunde natürlich mit dem Sticker „links“). Über „rechts“ postet man um sich abzugrenzen. Das macht sich immer gut. „Gegen rechts“ ist ein kleiner Sockel, auf den man seinem Profilbild gerne stellt. Es kostet nix, ist (Gott sei Dank) in den allermeisten Fällen ungefährlich und man steht dann so schick erhaben darauf rum, auf seinem Sockel. „Gegen rechts“. Am besten gleich im Banner quer über dem Profilbild sichtbar. Dann postet man noch ein paar Tipps über umweltfreundliches Ess-Verhalten, Achtsamkeitshygiene illustriert von ein paar Sprüngen Richtung Sonnenuntergang (vorzugsweise auf Teneriffa) und schon hat man ein einwandfreies Social-Media-Profil. Und so eins braucht man heutzutage, es ist eine Visitenkarte für jeden karrierebewussten Berufstätigen, besonders in der kreativen Branche.

Wen man Pech hat, stolpert man dann über Teneriffa, wie es der grünen Politikerin Katharina Schulze zu Neujahr passierte.

Bitte hört mir weiter zu. Ich plädiere NICHT für ein neues Verständniss für rechtsextremes oder fremdenfeinliches Gedankengut. Um Himmels willen! Ich mache gerne ein Beispiel, um mich genauer zu erklären und beziehe mich auf die vergangene Silvesternacht. Es gab zwei Anschläge. Ein deutscher Mann hat gezielt Syrische und Afganische Passanten angefahren, in Amberg haben besoffene Asylbewerber Passanten attackiert. Die erste Tat war deutlich brutaler, forderte scherere Opfer, trotzdem wurden sie. durch ihre zeitliche Koinzidenz, miteinander verglichen. Und  inhaltlich haben sie ja auch etwas miteinander zu tun.

Die öffentliche Diskussion stürzte sich nicht etwa auf die Taten, sie stürzte sich auf sich selbst und ihre Diskussion ÜBER das Geschehene. „Rechts“ und „links“ beschuldigten sich gegenseitig des falschen Umgangs mit den Anschlägen und ich habe sehr viele dieser Posts gelesen, denen ICH unterstelle, die Reaktion auf diese Taten zu instrumentalisieren und zwar für persönliche Zwecke. Um intelligent, schlau und politisch erhaben da zu stehen. Nicht der schlimmste Zweck, das geb ich zu, aber mich hat es gestört. Weil es überhaupt nichts nutzt. Niemandem. Wer lässt sich denn von diesen Postings ernsthaft noch beeindrucken? Ein produktiver Diskurs wird so nicht geführt. Und diese beiden Begriffe „rechts“ und „links“ kommen in diesen unproduktiven Diskussionen, die solche Postings nach sich ziehen, leider ständig vor. Ich sage: die verstellen den Weg für neue Gedanken.

Ich wünschte mir, viele von uns träten mal aus der Sicherheit ihrer gewählten Zuordnungen heraus und würden sich dazu bekennen, was sie wirklich denken.

Über alles, was derzeit so geschieht. In den meisten Fällen bliebe Ratlosigkeit zurück, da bin ich sicher. Weil es nämlich mir „in echt“ so geht. Ich bin ratlos. Ich lese einen Artikel bei einer etablierten Zeitschrift, er erscheint mir plausibel, logisch und schon hat google meine neuesten Cookies ausgewertet, spielt mir einen anderen Artikel zu dem Thema zu, in dem mir genau das Gegenteil sehr logisch vorkommt. Tja. Und dann? Was tut man dann? Weiter googeln, um sich zu informieren. Die Monstersuchmaschine dankt.

Ich hoffe, ihr konntet mir so weit folgen? Ich bemühe mich nämlich gerade um genau das: Darum, meine absolute Ratlosigkeit zu formulieren und bekenne mich damit weder zu links, noch zu rechts (natürlich) sondern erstmal nur zu mir selbst.

Und die, die ich bin wünscht sich diese (und viele andere) Begriffe würden erstmal abgeschafft.

Abgelegt wäre das bessere Wort. Wäre sicher interessant zu sehen, was da im Einzelfall so dahinter hervor kommen würde. Manch einer wäre vielleicht entlarvt, manches könnte sich aber auch als interessanter entpuppen als vieles was man „sonst so“ hört.  Und der Dialog wäre entlastet, wenn weniger Helden, Weltretter und Supermanns miteinander reden würden, sondern einfach nur irgendwelche Leute. Die wir in Wahrheit halt so sind. Mit Zweifeln, mit Fragen und mit Überforderung von alledem, was sehr groß geworden ist und uns die Welt erklären will.

Deshalb, liebe, BESTE Freunde, lasst uns SKEPTIKER werden.

Lasst uns alte Begriffe entstauben und einfach so viele FRAGEN stellen, wie nur irgend möglich. Auch uns selbst. Ich glaube, das ist echt das beste, was man der aufgewühlten Stimmung entgegen setzten kann. Vor allem auf den social-media-Kanälen. SKEPSIS! Ist doch ein guter Schlachtruf. Skepsis ist die Kraft der Stunde! Abgesehen davon natürlich, dass allgemein gültige Regeln wie Gleichberechtigung, Höflichkeit, Freiheit, Fairness, Toleranz, Nächstenliebe, Brüderlichkeit und gewaschene Füße Werte darstellen, auf die man sich nach wie vor verlassen kann. Im Zweifel.

 

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2 Kommentare

  1. Viel will ich nicht schreiben. Die Idee mit dem Club ist mir noch zu neu, aber sie gefällt mir. Diskussionen liebe ich, wenn ich mich für kompetent genug halte, mitreden zu können. Vielleicht bin ich etwas zu alt als Geburtsjahrgang 1925. Vielleicht bin ich auch etwas überfordert mit meinen gegenwärtigen Engagements. Aber noch lebe ich. Also bitte. Ich bin dabei.

    1. Wunderbar, lieber Dr. Wademar Horster! Menschen mit großer Erfahrung sind tolle Clubmitglieder. Und offensichtich auch besonders mutig, sie sind der Erste und schon sind wir zu zweit! Prosit!

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