Beruhigender Badezusatz und bessere Drogen

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Mein Sohn liebt David Bowie. Ich auch. DAVID BOWIE! Er is ja Rocker, mein Sohn. Also echt, jetzt. Ich nich, ich bin kein Rocker, aber bei Bowie sind wir voll auf einer Wellenlänge. Und natürlich bin ich verdammt stolz, dass mein Sohn so einen guten Geschmack hat. Deswegen war ich auch so arglos, nein geradezu BEGEISTERT, als er in den Sommerferien sein Taschengeld in eine Bowiebiographie investiert hat. Und gar nicht mehr davon los kam, von der Lektüre. Ein Kind das freiwillig liest! Überrascht war ich allerdings, als wir, später in den Ferien, im schönen München durch die schöne Maximilianstrasse liefen und direkt vor unseren Augen aus einem dieser schönen Maximilianstraßengebäude mit Gucciprada und Gottweisswas drin ein Mann getragen wurde.

Er war  mit einer Zwangsjacke (dachte die gibt es nur im Film) bäuchlings auf einer Trage festgebunden. In seinem Kopf steckte eine Spritze. Die Sanitäter waren blutbespritzt. Ich wollte gerade zu meinem Sohn sagen: „Guck bitte weg, das ist nix für Kinder“, aber er war schneller und sagte: „Jaja, der hat wohl zu viel Badesalz erwischt“.

Ich wollte was antworten, im Sinne von: „Naja, BADESALZ, der da hat wohl schlimmere Probleme“, aber mein Sohn war wieder schneller: „Mama, BADESALZ is sowas wie gepanschtes Ecstasy, davon wird man verrückt, siehst du doch“.  „Äh, ach so, ja, stimmt, sieht nicht gut aus für den. Und was weißt du eigentlich sonst noch so über Drogen?“ Sohn: „Och, eigentlich alles, glaub ich. Von Crokodile kriegt man Krokodilhaut und frißt sich selber auf, daher der Name, Ritalin kriegen die Zappelkinder, die verkaufen es aber den Gamern, Heroin is retro und Kiffen is für Anfänger und Dumme“.

Wir sind erstmal ’n Kaffee trinken gegangen. Er nicht, er bekam ne Limo. Und ich brauchte einen Moment. „WOHER WEIßT DU DAS ALLES?“ Glaubt mir, ich hab versucht diese Frage ganz beiläufig zu stellen, aber ich hatte mich für die falsche Droge entschieden. Kaffee wirkt nicht gerade beruhigend. Ich hätte mich bei der Getränkeauswahl besser von meinem Sohn beraten lassen sollen. Aber soweit bin ich noch nicht. Diese Momente, wenn die Kinder einem über den Kopf wachsen, einen von hinten schneidig überholen, ich steck sie noch nicht so einfach weg.

„Na, das weiss ich aus der Bowie Biographie“ sagte das Kind, “ Ich weiss jetzt ALLES, Mama.“ Leider konnte ich in diesem Moment keinen Schnaps trinken. Der Scherbenhaufen war schon zu groß, der vertrug nicht mal ein winziges Schnapsglas mehr obenauf. Ich versuche seitdem mich damit zu trösten, dass er später von sich behaupten darf, von Bowie aufgeklärt worden zu sein. Das ist das Gute. David und ich, wir werden das Kind schon schaukeln. Oder, um mal mit nem Bowiezitat zu enden: „I never responded well to negative thinking“.

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