Chronik. Eines Tages. Kurz bevor die Welt untergeht.

Themencafe Düsseldorf

#TempelderLiebe #inDüsseldorf

Ich hatte heute einen Crash. In der Fußgängerzone. Und später hatte ich noch einen. Ein Crash kommt selten allein. Der zweite Crash ereignete sich in einer Seitenstrasse der Fußgängerzone, in der auch der erste Crash stattfand. Das hat mir die Augen geöffnet. Weil es gefährlich war. Vor allem der erste Crash. Nicht für mich und meine Crashpartnerin, eine andere Mutter, die auch in der Fußgängerzone einkaufen war, gefährlich war es nur für unsere Chefs, die wir natürlich dabei hatten. Meine Crashpartnerin schob einen voll beladenen Buggy mit ihrem übel gelaunten Oberbefehlshaber an Bord Richtung Tschibo, ich war mit meinem Chef (im Fahrradsitz) in der Gegenrichtung unterwegs. Und kurz bevor wir aneinander vorbei schieben wollten, Buggy links, Fahrrad rechts, schwebte, genau zwischen uns hindurch, wie eine Erscheinung, ein wunderschöner Gasballon.  Unsere Chefs schrien gleichzeitig los, irgendwas in der Richtung: „Haben, haben, schnell, schnell, jetzt renn schon, Mama, lauf“! In blindem Gehorsam, wie wir Mütter halt sind rannten wir aufeinander zu, jede einen Arm und den Blick Richtung Ballon erhoben, mit der anderen Hand das Fahrwerk schiebend  und den Rest könnt ihr Euch ja vorstellen.

Zum Glück war die andere Mutter deutlich kleiner als ich, so dass ihr Kopf nur gegen meine Brust prallte. Eine Face-to-Face Begegnung hätte meinen Drehtag nächste Woche stark gefährdet. Es wäre allerdings NOCH besser gewesen, wenn SIE die größere von uns Beiden gewesen wäre. Sie hatte deutlich mehr Busen als ich. Der Aufprall hätte sich in dem Fall deutlich sanfter für uns beide dargestellt. Wirklich gefährlich war die Sache allerdings für unsere Chefs: Ihr Buggy kippte, wir Mütter fielen drauf und über uns das Fahrrad mit meinem, im Kindersitz fixierten Oberbefehlshaber. Zwei Mütter eingeklemmt zwischen zwei Kindern in ihren jeweiligen Fahrwerken. Unsere Chefs haben uns natürlich ordentlich zusammen gebrüllt. Zum Glück war aber weder denen noch uns was passiert und so lachten wir gemeinsam über unser Missgeschick, während der Ballon ungefangen Richtung Innenstadt entschwebte.

Dramatisch wurde es erst später. Beim zweiten Crash. In der Seitenstrasse. Da hat nämlich ein neues Cafe eröffnet, in meiner Abwesenheit. Ein THEMENCAFE. Thema: LOVE. Und da bin ich total unvorbereitet rein gecrasht. In das LOVE-Themencafe von Düsseldorf. Mein erster Gedanke war: Wo sonst? Wo sonst, ausser in Düsseldorf, sollte ein LOVE-THEMENCAFE eröffnen? Das Ding hätte vermutlich woanders keine Chance. Hoffentlich. EIN Düsseldorf ist genug für diese Welt. Das LOVE-Cafe war ein Ort direkt aus der Hölle. Oder die Hölle selbst.

Ich meine: Wie würdet ihr euch sowas vorstellen? Ein LOVE Themencafe? Was für eine Einrichtung, welchen Stil, welche Farben würdet ihr wählen, um LOVE zu vermitteln? Thematisch fühlt sich ja grundsätzlich jeder angesprochen, denke ich. Von LOVE. Interessant wird es bei der Interpretation. Grundsätzlich wäre das vielleicht eine super Idee, um spätere Missverständnisse mit zukünftigen Partnern zu vermeiden, denke ich gerade: Lass jemanden ein LOVE- Themencafe ausstatten und du weißt, wie er sich die Sache mit der Liebe erträumt. Ähnlich den surrealen Filmräumen von David Lynch. Das Love Themencafe als Abbild der ganz persönlichen Liebessehnsucht seines jeweiligen Ausstatters.

Die Besitzerin des Düsseldorfer LOVE Cafe’s assoziiert LOVE mit sehr viel Rosa, sehr viel Zuckerguss, Blümchen, Bärchen, Plüsch und Tüll. Vermutlich ist sie Jungfrau.

Ein sehr dünner Mann saß im Außenbereich vor einem sehr vollen Aschenbecher und drückte gerade seine letzte Kippe aus, als wir vorbei schoben. Der Arme. Ich fürchte, es gibt Menschen, die merken das zu spät, wenn sie einem unguten Umfeld ausgesetzt sind. Die rauchen sich dann die Seele aus dem Leib und wissen selbst nicht warum, und wüßten sie’s, wär klar, dass sie auf verlorenem Posten agieren. Dem LOVE Cafe war auch mit sehr viel Zigarettenrauch kein Leben einzublasen. Man kann es nur meiden. Oder ein Blogpost darüber verfassen. Über diesen Seelenraum der Selbsttäuschung.

Die Liebe hat halt auch zu kämpfen, heutzutage. Gegen ihr klischiertes Image. Personifiziert wäre sie eigentlich der perfekte Gast für dieses gruselige Cafe in einer stark befahrenen, aber ansonsten unbelebten Düsseldorfer Seitenstrasse: Die besten Tage überlebt, stark blondiert, gebräunt und gebleacht mit einem Hauch zu viel Hyaluron in den Lippen. Eine, die keiner so nahm, wie sie war, bis sie sich selbst nicht mehr ertrug. Wenn ich mich nicht irre, hat sogar genau so eine da drinnen am Tresen gehockt. Und Gala gelesen. Und da KANN ich mich eigentlich gar nicht irren, weil so wie die, so sehen hier in meinem Düsseldorfer Wohnviertel eigentlich alle aus. Ich auch. Sobald ich länger hier in Düsseldorf wohne, nehme ich genau so eine Gestalt an. Mann passt sich ja ans Umfeld an, will ja nicht ständig auffallen.

Ich saß da also am Tresen in diesem Düsseldorfer Themencafe, trank einen kleinen gepflegten Frühstücksschnaps, den Chef hatte ich in den Rauchfang gehängt, wo er irgendein Handyspiel für Kleinkinder zockte und da begriff ich es: Dieser dürre Raucher da draussen, das war natürlich der Liebesgott persönlich. Amor! Oh Gott, die sozialen Netzwerke und dann noch Tinder, der Typ war fertig mit der Welt. Hatte sich inkognito nach Düsseldorf zurück gezogen, seinen göttlichen Ferrari verzockt und vom restlichen Guthaben auf seinem Liebeskonto ein Themencafe eröffnet. Die arme Sau.

P. S. Ich seh die Dinge jetzt sehr klar. Der zweite Crash und auch der zweite Schnaps, hatten einen heilsamen Effekt auf mich. Und ich gestehe: Ich liebe meine Stadt. Düsseldorf. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ehrlich gesagt, dem Liebesgott begegnet man nicht überall. In Berlin, da glauben die noch an die wahre Liebe, schätz‘ ich. Während es die in München von vorne herein nie gab. So. Und damit jetzt nicht ALLE die irgendwo wohnen und sich da zu Hause fühlen nachher böse auf mich sind, hör ich mal lieber auf. Und fahr‘ in den Urlaub. Melde mich ab. Nach Italien. Ins Land der… Naja. Ich berichte dann.

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