Neulich im Hotel des Grauens II. Eine Fortsetzungskolumne, diesmal mit Bumms.

Picture taken: Max Brown Hotel Düsseldorf. Dort wäre das alles...anders gewesen! Grünes Kleid: Marianna Déri

#sommer2018 #brütendehitze #manchemögensheiss

Jetzt, wo der Sommer wieder da ist, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr, vielleicht aber auch nicht, er ist ja recht hartnäckig neuerdings, fällt mir noch ’ne wirklich seltsame Sache ein, die ich hier mit euch besprechen muss, bevor es endlich kühler wird und die leise Transformation, die dieser Sommer 2018 in unsere Hirnhaut eingebrannt hat, sich wieder reguliert und in Vergessenheit gerät.

Vielleicht erinnert sich die Eine oder der Andere ja noch an meinen Facebook-Post von dem Hotel in dem die ganze Nacht gevögelt wurde? (Das Geheimnis hinter der Geräuschübertragung dieser Dolbysurround-Bumserei waren übrigens die frei stehenden Betten des Hotels. Vielmehr standen sie auf Rädern, es war ein ART-Hotel, die Betten wurden exclusiv für das Hotel entworfen, schätze ich. Leider bewegten sie sich ein bisschen mit, wenn man sich darauf bewegte. Nicht wirklich doll, gerade so viel, um ein bisschen gegen das separat angebrachte Kopfende zu äh….bummsen. Auslöser für das Phänomen war aber, meiner Analyse zu Folge, auf jeden Fall die Hitze: Die allgemeine Dehydrierung. Das Sinken der Hemmschwellen. Der allseitige Kräftemangel und die daraus entstehende Agression einer Bevölkerung, die es nicht gewohnt ist, sich vom Wetter den Zeitplan diktieren zu lassen. Dieses, für Deutschland so ungewöhliche Konglomerat konnten natürlich die Architekten und Designer dieses ART-Hotels nicht mal erahnen, als sie, anno dazumal, das Bett entworfen haben. Trotzdem haben sie damit meine Nächte in eben dem Hotel im Sommer 2018 ruiniert. Aber: Es kam NOCH SCHLIMMER. Und darüber wollte ich HEUTE mit euch sprechen:

Bitte stellt euch das selbe Hotel jetzt nochmal vor (ich habe eine ganze Woche dort verbracht, genug Zeit, für mehrere Kolumnen).

Und direkt EINE Nacht, nachdem ich das gepostet hatte, diesen schmutzigen Tatsachenbericht aus der heißen Berliner Hotelrealität, ist da total die Stimmung umgeschlagen und der Typ, der in dem Zimmer neben mir gepennt hat, ist verrückt geworden.

Unsere Zimmer lagen über Eck nebeneinander, wodurch sein Balkon den meinen fast berührte. Er hätte, mit einem mittelgroßen Schritt, von seinem auf den meinen wechseln können. Leider hatten die Zimmer  in dem ART-Hotel keine Klimaanlage und abgesehen von der Balkontüre auch keine Fenster oder sonst ’ne Möglichkeit zu lüften. Die Raumtemperatur betrug in dieser Nacht gefühlte 41° C. Sämtliche Balkontüren waren weit aufgerissen, auch unsere beiden. Ich glaube, abgesehen von den Hotelgästen, die bumsten, versuchten alle irgendwie zu schlafen. Ich habe es an jenem Tag sogar kurzzeitig geschafft. Bis ich davon erwachte, dass mein Zimmernachbar in mein Zimmer piepste. (Zum Glück vögelte er nicht in mein Zimmer. Ich HOFFTE das zumindest. Ich HOFFTE es sehr intensiv, denn das piepsen war schon schlimm genug).

Irgendwer schon mal Nachts vom Piepsen eines fremden Mannes wach geworden?

Der akustisch quasi IN deinem Zimmer steht? Neben deinem Bett? (Die Zimmer waren winzig, ausser den Betten auf Rädern hatte da gar nichts Platz. Man selber passte auch nur rein, solang man drin lag, in dem Bett).

Denen, die es NICHT erlebt haben kann ich verraten: Das Piepsen eines unbekannten Mannes aus dem Hotel-Nebenzimmer kommt, egal wann, völlig überraschend. Man rechnet nicht damit. Schon gar nicht mitten in der Nacht. Naja. Man liegt dann da halt so, in seinem Bett auf Rädern, ist sehr überrascht und fragt sich, wie man dieser Situation optimal begegnen soll. Am besten erstmal gar nicht, hab ich mir gesagt. Am besten erstmal NICHT begegnen. Am allerbesten die nicht gewählte Anwesenheit IN der Situation durch Einstellen auffälliger Bewegungen, Atmung etc. leugnen und den Rest  einfach ignorieren. Sicher nur ein Kollege, der morgen irgendwo als Tierstimmenimitator einen Auftritt hat und jetzt kurz nochmal seinen Text durch geht. So lang er piepst, dachte ich, wird er sich schon auspiepsen, irgendwann.

Und so kam es auch. Irgendwann hatte er ausgepiepst und ging dann unvermittelt zur Imitation anderer Tierstimmen über. Ich habe einen Schakal, ein Babyäffchen, eine notgeile Katze und ein Elefantenkind, das von seiner Elefantenherde abgekommen ist, erraten. Allerdings weiss ich nicht, ob ich damit richtig lag. Ich hab den Typen in dem Zimmer neben mir nicht um die Auflösung seiner Tierstimmenimitationsperformance gebeten.

Eine Zeit lang hab ich einfach zugehört. Ungefähr zwei Stunden. So lang hab ich gebraucht um mich an die Situation so weit zu gewöhnen um vernünftig mit ihr umzugegehn. Und ehrlich gesagt war ich auch ziemlich lange einfach überfordert. Die Stimmen wollten irgendwas von mir, sie wurden mit der Zeit deutlich manipulativer und das was es, was mir daran nicht so gut gefiel. Hätte er Richtung Innenhof performt, dann hätte ich einfach „Ruhe“ raus geschrien, aber die Nähe unsere Balkone sprach da nicht dafür.

Irgendwann hab ich mich getraut, mal aus der Balkontür raus zu sehen. Ich wollte einschätzen, ob es OK ist, die Türe offen stehen zu lassen, alle vorhandenen Kopfkissen über meinen Kopf zu legen und die Botschaft, die der Mann da in mein Zimmer quäkte weiterhin zu ignorieren. Ich hatte einen Dreh am nächsten Tag, mein Teint hätte eine Nase Schlaf vertragen können.

Ich hab allerdings kaum eine Fünftelsekunde raus gespinkst um einzusehen, dass Handlungsbedarf besteht. Der Mann stand da, auf seinem winzigen Balkon, in direkter Tuchfühlung mit meinem, piepste, und ich fürchte er war nackt. Ein eher kleiner, stämmiger Typ, relativ behaart. Mehr hab ich nicht erkannt im Dunkeln, ich schwöre es.

Zum Glück bin ich ja total pragmatisch. Ich hab mich einfach in den Vorhang eingehüllt (um unerkannt zu bleiben, das schien mir wichtig, in dem Augenblick) hab so verkleidet die Balkontür zu geschlagen und bin zurück in’s Bett gesprungen. Es gab einen lauten Rumms.  (In dem Moment checkte ich die Sache mit den Rädern. Immerhin, das war geklärt).

P.S. Den piepsenden Mann hat meine Kollegin, die in dem Zimmer unter mir, ein Stockwerk tiefer, wohnte, übrigens auch gehört. Das fand ich ungemein erleichternd, weil, vielleicht kennt ihr den Effekt, wenn man am nächsten Morgen, oder später, auf seinem Blog, ein absurdes nächtliches Ereignis schildert und sich dabei selbst kaum glauben kann. Ich übertreibe nicht, meine Kollegin kann es bestätigen, es hat sich ganz genau so zu getragen. Falls jemand eine Erklärung dafür hat, was mir in dieser Nacht da wiederfahren ist: Her damit. Ich habe keine. Auf jeden Fall ist es sicher gut, dass dieser Sommer bald ein Ende hat. Wir müssen alle wieder vernünftig werden und etwas Abstand zu den Dingen gewinnen, die sich da alle zugertragen haben. Im Sommer 2018.

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