ICE Lektionen. Beisitzer Warnung. Wichtig. Bitte lesen.

Mantel und Bluse: Atelier baldaufkoeln, Credit: www.ossigphotos.com

#ICELektionen #warnung #grüßeausderhölle

Sonntag früh. Acht Uhr. Im ICE nach Düsseldorf. Es hat sich gelohnt, am Sonntag früh aufzustehen: Ich kenne jetzt die schlimmst-möglichen ICE Beisitzer und kann Euch warnen. Hätte gedacht, die kenne ich schon, aber: Falsch, kannte ich NICHT, habe ich erst heute morgen kennengelernt. Und gebe folgende Warnung raus: Wenn ihr euch im ICE einen Sitzplatz sucht, MEIDET DAMEN. In Gruppen. Oder auch paarweise. Die sind der Horror. DAMEN, und damit meine ich natürlich ältere und alte Frauen in dämlicher Bekleidung, sind im ICE, sobald sie als Gruppe erscheinen, brandgefährlich.

Ich bin normalerweise niemand, der Menschengruppen aufgrund seiner schlechten Eigenschaften diskriminiert. Bei älteren und alten Damen im ICE mache ich seit heute eine Ausnahme. Bis jetzt dachte ich, Frauengruppen wären nur im Ruhgebiert kritisch, wo sie Sonntags ja auch gehäuft auftreten, „Piccolöchen“ oder „Schnäpsken“ saufen, meistens aus kleinen Plastikbechern, deren Inhalt sie so gruppenzwangmäßig, in sich verkürzenden Intervallen, in sich hinein kippen und danach gräßlich laut kichern und mit ihrem Schnapsatem dumme Witze ins Abteil rein tröten, aber ich muss mich korrigieren. Weil: Ich habe etwas viel Schlimmeres erlebt.

Heute morgen. Also eigentlich genau jetzt. Genau jetzt, in diesem Moment, wo ich es hier niederschreibe, sitzt es schräg vor mir und frisst ein weiches Ei. Mit Löffel. Und Becher. Den hat Muddi mit gebracht. Muddi sitzt in der Sitzreihe direkt vor mir. Walli, (oder so ähnlich) die Tochter von Muddi, sitzt auf der anderen Seite des Ganges. Jede allein in einem Zweier. Alleine weil fettleibig nehme ich an. Jede füllt anderthalb Sitzplätze aus. Ein Mutter und Tochter Paar aus der Beisitzer-Hölle.

Muddi wird demnächst 82. (Ich weiss das, ich weiss jetzt vieles über Muddi und Walli). Schwerhörig ist Muddi auch. Tochter Walli ist knapp 60 und kompensiert diese Eigenschaft, die Schwerhörigkeit der Mutter, indem sie JEDEN ihrer Gedanken sehr laut SAGT um ihn dann noch einige Male, die Lautstäre kontinuierlich erhöhend, wiederholt.

Zum Beispiel solche Sachen wie: „Heute habe ich schon gefrühstückt. Normalerweise frühstücke ich ja später. Das tut mir gut. Wenn ich zu früh damit anfange, mit dem Frühstücken, ist es für meine Verdauung nicht gut, weisst, Muddi“? (Satz bitte drei mal lesen, die letzte Wiederholung brüllen, dann kommt’s hin).

Muddi: „Jo, ich ess ja früh auch ned so viel, nur a Weng. A Ei und a Wurschdbrod. Das tut mir gut“. (Nur einmal lesen, in maximal möglicher Dezibel-Zahl).

„Das tut mir gut“ ist überhaupt ein Satz, der sehr oft gesagt wird. Schön für uns Umsitzende, vor allem, weil die Beiden, denen das alles hier und auch der ganze Rest, ihr ganzes restliches Leben, das wir inzwischen auch schon kennen und zwar ‚en Detail, uns leider kein bisschen gut tut.

„Wars Ei au weich“? brüllt Muddi jetzt? „Ja, war genau richtig. Hat mir gut getan“ „Hat mit gut getan, Muddi, war genau richtig“. „Genau richtig Muddi, hat sehr gut getan“ „Jetzt geht’s mir super, ich bin fast satt“.

Leute, was soll ich nur tun? Aufstehen und umsetzen? Macht man ja doch nie. Aus irgendeinem Grund macht man das nicht. Einen Sitzplatz im ICE nimmt man als etwas schicksalhaftes, gottgegebenes hin. Oder habt ihr schon mal einen Umsetzter gesehen? Ich sag Euch: Die gibt es nicht. Und wenn doch, gebt mir Bescheid. Ich würd da nämlich wetten. Das es keine gibt. Es ist zu strange. Das ganze Gepäck, den Mantel, den Laptop wieder einpacken, mitten unter der Fahrt damit durch die Gänge schieben: no way.

Ich muss die fragen. Ich muss die fragen, ob die sich nicht nebeneinander setzten können. Sie haben sage und schreibe zwei freie Sitzplätze und den Mittelgang zwischen sich. Trotz Schwerhörigkeit. Kein Wunder das sie brüllen. Es könnte eine verbesserung der Lebensqualität für eine ganze Menge Menschen darstellen, wenn die Beiden einfach nebeneianander säßen. Und dann weniger brüllten. Wird schon irgendwie passen. Körperlich und so.

Ich frage sie. Das ist zwar riskant, sie könnten bockig werden und extra laut weiter labern, aber ich halte das nicht aus bis Düsseldorf.

Jetzt besprechen sie gerade, wie sie ihre Bananen am liebsten essen. NICHT grün. „Dann san’s ned süß“. „Aber halten länger“. „Ich kauf’s immer grün, und leg’s dann auf’d Heizung“.

Supertrick! Ich bin beeindruckt!

Ich werde es tun, wartet kurz, ich schreibe gleich hier weiter!

So. Hat geklappt. Und auch nicht. Sie sitzen jetzt nebeneinander. Ich habe sie sehr freundlich drum gebeten und großen Zuspruch von den anderen Reisenden erhalten. Ein Mann hat sich persönlich bedankt, ein Teenagerpaar klatschte und die anderen sahen auch recht erleichtert aus. Leider haben sie sich aber für die Plätze direkt VOR mir entschieden. Tja. Im Moment verdauen sie ihr Frühstück. Die Mudda möchte nachher auf Toilette, das hat sie ihrer Tochter schon mehrmals angekündigt. Die Pizza (die sie offensichtlich dabei haben) essen sie dann in ’ner Stunde. Sie planen das alles im voraus. Krankenhausgeschichten wechseln sich in ordentlicher Reihenfolge mit Vesperpausen ab. Ich hoffe einfach, es ist nicht Pizza Tonno oder irgendwas mit starker Geruchsentwicklung.

Im Übrigen werde ich mir jetzt endlich mal das optimale Reisezubehör leisten: Geräuscheausblendender Kopfhörer. Nackenkissen. Schlafbrille. Nasenzwicker gegen Geruchsbelästigung. Decke für über’n Kopf zum werfen. Und ein stark wirksames Narkosemedikament. Dann gebe ich solchen wie Denen einfach einen Kaffee aus, Narkotikum rein, fertig. Obwohl: Wie ist das mit Schnarchen unter Narkose? Kennt sich wer aus? Bitte melden! S.O.S. Eure Mary Reili

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