Warum es lebenswichtig ist, ab und zu bei Rewe einzukaufen. A shoppinguide.

Zoobeute(l) von Bolland und Boettcher, Rock: Marianna Deri

Ich bin stolz. Auf diesen Titel. Er ist nahe am Clickbaiting dran. Endlich. Ich bin auf einem guten Weg. Vielleicht sogar zum Erfolg. Allerdings birgt der natürlich auch Gefahren. Der Erfolg. Das weiss man ja. Da ist zum Beispiel diese Lesung, die ich am 10. 06. im Rahmen des Bücherbummels auf der Kö im Hotel Max Brown, dem schönsten Hotel Düsseldorfs veranstalte. Die ist für mich durchaus gefährlich. Der Düsseldorfer wegen, mit denen ich da unter Umständen in Kontakt gerate. Die könnten meine Texte über Düsseldorf lesen und sich beschweren. Und was soll ich denen dann sagen? Tut mir ja auch leid, Leute? Das ich mich mit Eurer schönen Stadt manchmal kritisch auseinander setze? Wo die doch tatsächlich so viel Wunderbares liefert? So viel Stoff, über den man schreiben kann? In anderen Städten, in Berlin zum Beispiel, würde ich vielleicht anfangen, so ein 0815 Gebrabbel über angesagte Locations, hippe Hotspots, und Verpackungsfreie Biosupermärkte mit einem Gemüsesortiment aus den innerstädischen urban gardening Rabatten zu veröffentlichen und sofort von der Masse der Clickbaiting Profiblogger überrollt werden. Böser Gedanke!

Nein, liebe Düsseldorfer! Ich kann, ich MUSS es jetzt, im verflixten siebten Jahr bekennen: Ich wohne inzwischen gerne hier. Warum? Damit ihr nichts zu monieren habt, wenn ich demnächst im Hotel Max Brown… Ach Quatsch! War nur Spaß! Düsseldorf ist inzwischen ganz klar mein Lieblingsreservat. Eine Stadt mit Herz und Kapital. Hier gibt es die schönsten Parks Deutschlands, tolle Ausstellungen und die große Wasserstrasse nach Rotterdam, durch die die schweren Rheinlastkähne ziehen. Hier fährt Amor Ferrari und bei Rewe wird man von einem leibhaftigen Orakel bedient.

Und damit komme ich zum Titel dieser Kolumne zurück: „Warum es lebenswichtig ist, ab und zu bei Rewe einzukaufen“. Konkret meine ich hier mein Stammgeschäft im Düsseltal. Da arbeitet das Orakel. An der Kasse. In Gestalt einer ganz gewöhnlichen Kassiererin, die einem gleich ins Auge fällt, wenn man da seine Waren auf das Warenband legt. Weil sie ungewöhnlich alt ist. Die Kassiererein bei meinem Lieblingsrewe ist so alt, dass man eigentlich die ganze Zeit, die man da rum steht und darauf wartet, dass es endlich mal weiter geht, in dieser Supermarktschlange, rätselt, warum diese steinalte Frau eigentlich nicht längst in Rente ist.

Statt dessen zieht sie mit ihren knochigen, gichtigen Fingern, die mit vielen glitzernden Goldringlein verziert sind, etwas beschwehrlich die Waren all der anderen alten Leute, die dort Kunde sind, am Scanner vorbei. Ich schätze, sie kommt nicht aus dem Düsseltal. Wer hier wohnt, muss in dem Alter nicht kassieren gehen. Ich schätze, sie kommt direkt aus Delphi. Oder so. Auf jeden Fall ist sie halb blind. Das macht aber nix, weil sie ja auch nur vordergründig den Preis der Ware im Auge hat. In Echt geht es ihr natürlich um die inneren Werte. Mann kommt nicht umhin, sie mit der Zeit (man braucht unbedingt ’ne Menge davon, wenn man es wagt, bei meinem Lieblingsrewe einzukaufen) also mit der Zeit, wenn die Beine anfangen so schön langsam in den Bauch einzusacken, dann fängt man an, sie wirklich zu bewundern.

Inhaltlich nimmt sie sich nämlich wirklich für jeden Zeit, und gleichzeitig, und das überrascht, praktiziert sie ein knallhartes Multitasking: Während sie scannt, unterhält sie sich mit ihren Kolleginnen an den anderen Kassen und haut gleichzeitig den Kunden ungefragt ihre Orakelsprüche um die Ohren. Erst merkt man es nicht. Das ist aber nur Tarnung. Wenn sie solche scheinbar banalen Sprüche wie: „Denke SELBER an die Paybackkarte, sonst wirst du es nicht erlernen“. Oder: „Nein, nach dem kassieren lesen wir keine Paybackkarte mehr ein. Denke VORHER daran und zwar SELBST, sonst wird es nicht gewertet“ raus haut. In Warheit geht es um vielmehr. Es geht um alles. In Warheit kann sie aus den Waren lesen, wie andere Praktizierende ihres Metiers aus dem Kaffesatz:

Kaufe ich viel frisches Gemüse, warnt sie: „Leute die immer Jemüs essen, kriegen auch nix uff de Rippen“. Dann lacht sie und ihre Kolleginnen an den anderen Kassen, in deren Richtung sie das Orakel verkündet, lachen fröhlich mit. Sie sind alle nicht auf den Mund gefallen dort und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Neulich hat sich ein Rassist an ihnen versucht und der hatte wirklich ganz schlechte Karten. (Rassisten haben es im Rheinland ja eh schon schwer. Mit Zivilcourage haben die Leute hier nämlich überhaupt kein Problem. Weil die eh‘ ständig reden, machen sie auch da, wie es bei BAP mal hieß: „Die zeng ussenander“). Der Rassist versuchte sich an einer der studentischen Hilfskräfte, die das Stammteam bei Rewe im Düsseltal unterstützen. „Solche wie sie, die sieht man ja eher selten hinter der Kasse“ hat der doch einfach mal zu einer asiatisch aussehenden Studentin gesagt. Ich stand direkt dahinter und war nicht halb so fix wie das Orakelteam: „Manche denken, die können sich hier allet erlauben“ warf die Erste den Ball Richtung Kolleginnen rüber. „Soll froh sein, das wir dahinter sitzen“ kickte die zweite zurück und mit: „Dem hat seine Mutter wohl nicht oft genug den Hintern versohlt“ versenkte die Dritte den Ball entgültig im Tor des Rassisten. Am liebsten hätte ich da Beifall geklatscht. Statt dessen bekommen sie jetzt hier endlich ’ne eigene Kolumne.

Ich selbst bin ihnen allerdings auch schon auf den Leim gegangen. Und zwar ging es um was Pädagogisches. Und hatte mit dieser Fleischwurstscheibe zu tun. Bei Rewe im Düsseltal machen sie da ein ganz konsequentes Kundenbonding. Mit den Kleinkindern. Eine der erfolgreichsten weil ältesten Marketingstrategien ever. Man drückt dabei einfach an der Wursttheke den kleinen Kindern eine fettige Scheibe Fleischwurst auf die Hand. That’s all. Mein Sohn liebt es. Alle Kinder lieben es. Mein Sohn isst inzwischen überhaupt keine anderen Wurst-oder Fleischsorten mehr. Einzig die Fleischwurstscheibe bei REWE isst er und zwar nur, wenn sie ihm dort von einer Fleischereifachverkäuferin persönlich in die Hand gedrückt wird.

Er ist da total konsequent. Auch mit den Fleischereifachverkäuferinnen. Wehe, wenn da was nicht stimmt, mit dieser Scheibe. Letztens bekam er eine, die war zu klein. Ein Wurstende. „Was sagt man da?“ fragte ich. (Ich bin kein Fan dieser Wurstscheibe. Sie macht pädagogisch immer so viel Druck). „Ich sag aber nicht danke“. sagte mein Sohn. „Die Wurst ist zu klein. Ich will eine andere haben“. Die Fleischereifachverkäuferin hielt beim Wurst schneiden inne und wartete auf meine Reaktion: „Also, das geht aber nicht, sag jetzt bitte danke, also sag einfach DANKE nicht BITTE, ach Mensch, jetzt iss die Wurst, die ist völlig in Ordnung“. „Neiiiiiiin“ (Sohn). „Sonst esse ich sie“ (ich wieder). Die Verkäuferin tat gespannt einen Schritt in unsere Richtung, die Augen ihrer Kolleginnen waren ebenfalls auf uns gerichtet. „Du bist so gemein“ (Sohn, heulend). Die vernichtenden Blicke ALLER Fleischereifachverkäuferinnen, während ich (grundsätzlich übrigens Vegetarierin) diese Wurstscheibe runter kaute, hatte auf jeden Fall eine starke pädagogische Wirkung auf mich. (Mein Sohn wurde von seinen Freundinnen hinter der Theke natürlich sofort mit eine neuen Scheibe versorgt. Extradick und herrlich fettig). Seitdem kaufe ich dort immer gleich, zu Beginn meiner Bestellung, 100 Gramm Fleischwurst, die ich umgehend an meinen Sohn verfüttere. Weil es lebenswichtig ist. Man lernt halt nie aus und schon gar nicht bei REWE.

P.S. Der Zoopark, der ja ebenfalls auf diesem Blog ein eigenes Zoopark Feature geniesst, hat jetzt eine EIGENE TASCHE. Den Zoobeute(l). Christine Bolland und Elke Böttcher von der Buchhandlung „Bolland & Böttcher“ haben sich das ausgedacht. Er zeigt ein Motiv aus der Zeit, in der es noch einen echten Elefanten gab, im Zoopark und wurde von der Düsseldorfer Grafikerin und Illustratorin Isabella Roth entworfen. Und weil ich ja eh die frohe Botschaft vom Leben in Düsseldorf hier verbreite, passt er super in mein Konzept und kann jetzt einmalig auf maryreiliblog gewonnen werden! Mit einem einfachen Kommentar seid ihr dabei! Postet hier oder auf fb! Warum braucht ihr den Beutel? Was würdet ihr darin tragen? Würdet ihr euch damit vielleicht sogar einen Einkauf beim REWE-Orakel zutrauen? Nur Mut! Irgendwer gewinnt! (Das Los entscheidet). Am 10. 06. dem Tag der Lesung, gebe ich den Gewinner bekannt! Viel Glück! Eure Mary Reili.

 

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2 Kommentare

  1. Liebe Mary Reili,
    vielen Dank für diesen witzigen Text! Eines würde ich gerne hinzufügen: den Zoo-Beutel mit dem lustigen Titel und originellem Bild (Originalfoto aus dem Düsseldorfer Zoo) hat sich Isabella Roth, die Illustratorin und Grafikerin von Rothbild aus dem benachbarten Flingern für die tollen Buchhändlerinnen ausgedacht. Das bin übrigens ich…😀
    Herzliche Grüße Isabella Roth

    1. Vielen Dank für diese Ergänzung! Ich bitte um entschuldigung, dass ich das noch gar nicht erwähnt habe! Ergänze ich natürlich sehr gern!

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